Auf den Spuren von Odysseus

22.04

Täglich grüßt der flaue Magen. Nach einer Nacht voller Herumgewälze und Magengrummeln stehen wir verpennt wieder auf der Straße und nehmen die heutige Strecke in Angriff. 
Wir sind ganz nah am Meer, sehen es aber im Moment nicht. Überall nur Felder, Traktoren, hier und da ein Gehöft. Sieht aber eigentlich ganz nett aus und die Sonne lässt einen guten Tag erhoffen. Erstmal geht es weiter auf eine kleine Berg- und Talfahrt auf kaum befahrenen Sträßchen, bis wir nach circa 15km kurz vor Imeros aufgehalten werden. Ein rotes Schild verheißt nichts Gutes und in der Tat sieht man nun hinter der Kuppe den Grund: Die Straße ist von einem 10 Meter breiten Fluss unerflutet, yay! Sieht nicht super tief aus, aber dafür relativ schnell das Wasser. Ein Traktor macht sich gerade vor unseren kritischen Augen bereit hindurch zu fahren, als ein Grieche uns aus seinem PKW anhupt. Er kommt aus dem Seitenweg und gibt uns zu verstehen wir sollten auf jeden Fall auch den ausgeschilderten Umweg zur nächsten Brücke nehmen, yay. 3km und eine etwas verfallene Betonbrücke später stehen wir auf der anderen Seite des Flusses und biegen wenig später in Imeros Richting Meer nach Süden ab. Wind kommt auf, aber nichts was wir nicht gewohnt sind. 
In Profitis Ilias machen wir kurz Rast und treffen ein älteres deutsches Pärchen, die hier am Häusle baue‘ sind. Wir erzählen ihnen unter anderem von unserer geplanten Route und uns wird abgeraten, die alte Römerstraße von Platanitis nach Petrota Beach zu nehmen. Da sei eine Joggerin von Hunden angegriffen worden und es gebe noch andere Gruselgeschichten. Haben vielleicht auch nur die Türken erfunden, damit keiner in das Gebiet reingeht. Auf jeden Fall Schotterstraße und mit den Rädern lieber oben drumrum fahren! So seine Worte.
Als wir 45 Minuten später in die Römerstraße einbiegen, da uns der Umweg zu weit ist, wissen wir noch nicht was uns erwartet:

Einer der bisher beeindruckendsten und schönsten Streckenabschnitte! Zugegebenermaßen muss man ganz schöne Steigungen und ja, auch manchmal sehr steinige Wege in Kauf nehmen, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus zwischen Meerblick, kleinen Wäldchen und Lichtungen, Felsenlandschaften und Wiesen. Mehrfach sind auch die Überreste der alten griechischen Stadt Maroneia zu finden. Um 700 vor Christus gegründet war sie lange Zeit die größte und wichtigste Stadt in der Thráki Region. Am Fuße der Ismaros gelegen ist es wahrscheinlich diese Siedlung in der Odysseus auf seiner Fahrt den Wein erhält, den er später nutzt, um den Zyklopen zu betäuben. 
Allzuviel ist davon heute jedoch nicht mehr zu sehen. Am besten erhalten sind das alte Theater und hier und da ein Turm. Außerdem werden wir regelmäßig von Kühen aufgehalten, die mit ihren Kälbern auf dem Weg herumtrotten. So nah und so alleine vor diesen riesigen behörnten Fleischbergen zu stehen lässt einen mit einem heutzutage ungewohnten Gefühl der Schutzlosigkeit zurück. Denn seien wir mal ehrlich: Sie machen es zwar eigentlich nicht, sie könnten einen aber locker mal aufspießen und von der Klippe schmeißen.

Nach dieser Exkursion kommen wir schließlich in Dikella an, kaufen noch etwas Essen für heute Abend und fahren weiter bis Alexandroupoli. Hier fahren wir eigentlich nur durch und suchen uns wenig später einen Zeltplatz am Meer. Nachdem die örtliche Hundebande von unserem Essen verscheucht wurde liegen wir aufgeregt im Zelt. Es ist nämlich wieder Montag und so schauen wir diesmal auf dem Handy die neue Folge Game of Thrones :D










Comments

  1. Hallihallo, ich bin fleißige Leserin eures Blogs, hoffe es geht euch inzwischen wieder besser und freue mich über die schönen Fotos! Weiter so !
    LG aus dem Casa Ocanto, Claudi

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