Wo die wilden Kerle wohnen...

04.04

Die Nächte sind mittlerweile angenehm, wir können ohne Mützen schlafen, lediglich gegen 6-7 Uhr morgens wirds nochmal kurz frisch.
Eigentlich sind wir wegen Serbien motiviert, doch schon als wir auf den Damm zurückschieben (elende Schinderei!!!) wird uns klar das der Wind noch stärker ist als gestern und immer noch aus Süden bis Südosten weht. 
Noch dazu stehen entlang des Deichs hunderte Bienenstöcke und die armen kleinen Immen dotzen mit Pollen beladen ständig gegen unsere Körper.
In Kürze sehen wir aus wie nach einem Paintball-Spiel (und zwar nach einem, in dem wir zu oft getroffen wurden).
Noch einmal wird Wasser aufgefüllt. Hier muss man ein Kompliment an Ungarn machen, denn jedes noch so kleine Dorf hat eine öffentliche, blau angestrichene Wasserpumpe zur Selbstbedienung. An Wasser mangelt es uns daher nie. 
Weiter ab Richtung Grenze, die wir auch nach 20 km erreichen. Kurz davor kommen wir an ein paar Polizisten vorbei die uns aber nicht bemerken.
2 Minuten später schauen uns zwei Grenzsoldaten verwirrt an, denn eigentlich sollten wir hier nicht sein. 
Turns out... kein offizieller Grenzübergang! Danke Navigation. 
Nach ein paar Worten in einem Kauderwelsch aus Englisch, Deutsch und Gestik drehen wir um, nur um von den vorher erwähnten Polizisten abgefangen zu werden die dachten wir kämen aus Serbien. 
Also erstmal ausweisen und erklären wer wir sind, dann ging es auf den 10 km Umweg zum richtigen Grenzposten. Während dieser 10 km sehen wir mehr Grenzsoldaten und Polizisten als auf der bisherigen Reise insgesamt... Tendenz 35 - 40 Leute. 
Dann endlich geschafft und gleich zweimal Pässe vorzeigen für Ein- und Ausreise. EU du bist schon was feines, das wird einem hier schmerzlich bewusst. 

Schon in Ungarn aber jetzt in Serbien noch mehr, bemerken wir die wirklich rauen Bedingungen unter denen die Menschen hier leben. Es ist alles sehr zerfallen und einsam. Insgesamt umgibt uns ein Gefühl von Abgeschiedenheit und, ja, Wildnis. 

Nicht zuletzt die Roaminggebühren geben uns die Motivation schnell wieder nach Kroatien zu kommen da dies ein EU Zone 1 Land ist und man alles wie im Inland hat. 
Wir wählen trotzdem einen Scenic Drive durch einen Wildschutzpark und werden zumindest was die Tiere angeht belohnt. Wir sehen Rehe, eine 30 Tiere starke Wildschweinrotte, Falken und eine Blindschleiche. Weiterhin natürlich viele Nutztiere wie Ziegen, Schafe, Kühe und Hühner. 
Der Wind macht uns dennoch fertig, unsere Beine sind schwer und unsere Laune... mäßig. 
Zu allem Überfluss platzt auf dem holprigen Weg ein Ei und verteilt sich in der Radtasche. Wir können uns nicht erinnern wann wir Frust so laut herausgebrüllt haben wie nach diesem unnötigen Highlight. 
Nach großem Kampf kommen wir an der serbisch-kroatischen Grenze an. Wieder zweimal Pässe zeigen und ab gehts. 
Die letzten Kilometer fahren wir im Autopilot-Modus und sehen noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Die Straßen sind besser, dennoch kommen wir nach qualvollen 120 km im dunkeln auf einem gerade geackerten Feld an und schlagen unser Zelt auf. 
Wir sind fertig, haben gegessen und dann sehen wir das nächste Unheil auf uns zukommen. Der Bauer meint doch tatsächlich im stockdunklen gegen 21:30 Uhr mit dem Trekker nochmal raus zu seinen Feldern fahren zu müssen. Schon fürchten wir weggeschickt zu werden aber wie durch ein Wunder bemerkt er uns nicht (oder es ist ihm egal). 
Jedenfalls können wir schlafen gehen. Wir sind skeptisch, was der morgige Tag bringt. 
Aber hey, wir waren immerhin in drei Ländern an einem Tag. Dort, wo die wilden Kerle wohnen. 







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