100 bis 0 Prozent Luftfeuchtigkeit

14.05

Wir wachen zu spät auf, irgendwie hat keiner Laras Wecker gehört. Jetzt ist es schon 20 nach 8 und um halb 9 wollte Osama uns abholen. Rumgewusel, schnell noch das Frühstücksrührei verdrückt und dann ab ins Auto. Wir haben viel vor heute und die erste Station ist South Beach. 15km südlich von Aqaba gelegen. Hier kann man jegliche Form von Wassersport betreiben und auch wir haben einen Termin bei einem Tauchlehrer, ein Cousin von Osama. Hier wird alles über Beziehungen geregelt und so bekommen wir einen wirklich akzeptablen Preis und schlüpfen schon bald in unsere Tauchanzüge. "Habt ihr eine Lizenz?", fragt einer der beiden Taucher. Philipp hat eine, Simon nicht, war aber auch schonmal tauchen. Wir haben allerdings das starke Gefühl, die Antwort sei ohnehin egal gewesen. Wir bekommen im seichten Wasser nochmal kurz eine Einweisung und dann gibt es für die nächsten 40 Minuten nur noch Sauerstoff aus der Flasche.

Wir tauchen hinab in eine andere Welt voller Blubbern, Strömungen und Korallenriffen. Direkt sehen wir eine Vielzahl an bunten Fischen und vor allem die blau-durchsichtigen handballgroßen  Quallen begeistern uns. Clownfische, Doktorfische, einen Kugel- und sogar einen Steinfisch sehen wir an uns vorbeiziehen. Doch die Hauptattraktionen hier unten sind tatsächlich anorganisch: Ein alter Panzer und ein Flugzeug wurden hier von der Navy versenkt, um von Touristen wie uns bestaunt zu werden. Es ist einerseits ein merkwürdiger, andererseits aber auch irgendwie ein schöner Anblick, wie das stählerne Kriegsgerät langsam von der Natur bedeckt wird. Unzählige kleine Fische und Korallen besiedeln die verrosteten Bleche und wir dürfen für die vom Guide mitbrachte Unterwasserkamera posieren. In das große Flugzeug dürfen wir dann sogar hinein schwimmen. Auf jeden Fall noch mal ein ganz neues Gefühl, wenn man nicht mehr die Wasseroberfläche, sondern die Decke eines versunkenen Fliegers über sich hat. Im Cockpit des Flieger sehen wir eine Gestalt sitzen. Da wird doch nicht... doch! Da sitzt ein, zum Glück unechtes, Skelett auf dem Platz des Piloten und grinst uns aus seinem weißen Schädel an. Einerseits lustig, aber auch ein bisschen too much, finden wir :P
Wieder aus dem Flugzeug heraus gleiten wir vorsichtig paddelnd durch die nasse Unterwelt, staunen, machen OK-Zeichen mit unseren Fingern und steigen langsam wieder auf. Am Strand angekommen tauchen wir freudestrahlend auf und ziehen die Masken ab. Die Sonne steht nun schon mittig am Himmel und wir gehen uns erstmal gründlich abduschen. Lara und Osama waren zur gleichen Zeit schnorcheln gewesen und begrüßen uns winkend am Strand.

Osama ist so nett und fährt uns auch wieder zurück in die Stadt, wo wir trotz Ramadan ein Restaurant finden, was uns leckeren Fisch und für Philipp eine Grillplatte serviert. Mohammed, Osamas Bruder, fährt danach direkt mit uns los in Richtung Wadi Rum. Die Fahrt dauert circa eineinhalb Stunden und führt erst über die Autobahn und dann über eine sehr schöne Landstraße immer weiter in das Naturreservat hinein. 

Angekommen in Wadi Rum Village, der letzten Siedlung vor dem Anfang der Wüste, verabschieden wir uns von Mohammed und gehen hinein zum Beduinen unseres Vertrauens. Dieser fordert uns erstmal auf die Buchung auf Booking.com zu canceln, und bietet uns einen neuen Preis, der eine Jeeptour und Abendessen beinhaltet, an. Wir finden diese Art und Weise, die Booking Platform zu missbrauchen nicht so vertrauenswürdig und toll, willigen aber ein, da der Preis eigentlich Ok ist, für das, was wir alles bekommen.

Es geht sofort los und wir dürfen uns oben auf das hohe Dach des Jeeps setzen, welches eigentlich für das Gepäck gedacht ist. Wir könnten uns auch unten reinsetzen, aber wir finden es klasse da oben. Dann geht es los mit einem Affenzahn durch den Sand. Wir halten bei mehreren Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zu unserem Camp. Als erstes bei einer Quelle, zu der man ein kleines Felsenmeer hochklettern muss. Von oben hat man jedoch einen unglaublich Ausblick und wir sind hier oben ganz alleine! Zweiter Stopp ist ein kleiner Canyon, in den man hineinlaufen kann. Hier sind allerdings so viele andere Gruppen, dass man sich auf den Füßen herumtrampelt. Wir schießen ein paar Fotos und dann schell raus da. Lara und Simon finden dafür noch einen super Fleckchen neben dem Canyon, von wo man super in die Landschaft blicken kann und ein großes Gesicht in den Felsen zu erkennen ist. Später versuchen wir uns sogar noch im Dünenboarden, wobei man mit alten Snowboards versucht (!), eine Sanddüne herunterzufahren. Mehr oder weniger erfolgreich purzelten wir also im Sand herum, hatten aber auf jeden Fall großen Spaß!

Zwei fotogene Steinbrücken folgten und wir waren schon jetzt eingenommen von der Schönheit und Weite dieses Naturschutzgebietes. Zum Schluss saßen wir alle auf einem großen Felsen und bestaunten den Sonnenuntergang. Auf einem kleinen Lagerfeuer wird Tee gekocht, der zwar viel zu süß, aber dennoch sehr willkommen ist. Im roten Abendlicht glimmen die Dünen und Berge um uns herum noch einmal auf, bevor alles in Dunkelheit versinkt. Bis wir im Camp ankommen beherrscht diese bereits fast komplett die Nacht und wir können bereits den fast vollen Mond und einige Sterne am Himmel sehen. Lara bezirzt mit ihren Arabischkenntnissen einen Beduinen und wir bekommen ein 5er-Zelt zu dritt zugewiesen. Das finden wir schonmal super!
Jetzt kommt der wichtigste Teil des Programmes: das Essen. 5 Beduinen und 30 Gäste stehen gespannt um eine Plastikplane herum, auf der ein Haufen Sand liegt. Ein ganz normaler Anblick hier im Camp. Zwei Männer packen 2 Ecken der Plane und ziehen sie samt Sand herunter von einem zum Vorschein kommenden "Gullideckel". Dieser wird sogleich geöffnet und ein mehrstöckiges Gebilde mit Gittern wird aus dem darunter liegenden Loch herausgehoben. Es duftet nach Hühnchen und Gemüse. Das Buffet ist damit komplett, denn dazu gibt es noch eine Menge Salat, Hummus und viele andere Leckereien. Simon wird noch zwei Stunden später mit einem Teller am Lagerfeuer sitzen und die Reste verschlingen.
Alle sind am schmatzen und schlürfen, die Beduinen machen langsam das Lagerfeuer an und holen ihre Instrumente heraus. Nach ein bisschen musikalischer Einstimmung werden wir zum traditionellen Dabkeh-Tanz aufgefordert. Wir haben alle keine Schuhe an und der Kies schmerzt etwas, aber irgendwie macht das fröhliche Im-Kreis-Tanzen alles wieder gut. Links, rechts, links, rechts, vorne vorbei und hopp und links, rechts...

Mit 2 Mädchen aus Malta, die uns auch schon auf der Jeeptour begleitet haben sitzen wir in unserer Ecke des Lagerfeuerkreises und unterhalten uns bei Chai und Shisha bis in die Nacht hinein. Am Ende liegen wir nur noch zu zweit irgendwo im Sand herum und reden viel über unsere bisherige Reise und über die Menschen, an die wir so denken müssen oder die uns fehlen. Wadi Rum hat seine stille Magie über uns entfaltet und wir schleichen uns als letzte an den Kamelen vorbei in unser Zelt hinein, wo Lara schon schläft. Es ist komplett ruhig im Lager, das Feuer ist aus. Ein paar Katzen, die es selbst hier gibt, tigern noch umher und wir mummeln uns in unsere flauschigen Beduinendecken ein. Gute Nacht :)




































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