4.000 km

24.05

Die weißen Nächte haben mich spät einschlafen lassen, durch das leichtgraue Zelt gibt es wenig Dunkelheit, so wache ich aber morgens auch sehr gut auf. Der leichtgraue Himmel begrüßt mich verhalten, dafür ist es ziemlich perfektes Radfahrerwetter. Auch der Wind hat nachgelassen und weht mir eher angenehm in das Gesicht, nachdem ich wieder auf die Straße geschoben habe. 

Ich schaue auf die Uhr. 8:30 Uhr... ich werde wieder früher denke ich. Eigentlich soll es heute nach Kretzy gehen, doch schon nach wenigen Kilometern merke ich, dass meine Muskulatur heute zu mehr in der Lage ist. So fahre ich, vorbei an schönen Kirchen, welche teilweise noch im Bau sind, netten Örtchen mit lustig verlegten Leitungen entlang der Straße, die immer wieder höhergelegt werden müssen, damit Autos aus Einfahrten herauskommen können, immer entlang der „einen“ Straße gen Nordwesten. 

Ich erreiche den Waldai-Nationalpark. 
Hier gibt es viele kleine Seen, verstreut liegen Gehöfte welche mich an Bullerbü von Astrid Lindgren erinnern. Ich sehe zum ersten Mal wilde Bären, eine Mutter mit Kind unweit der Straße, wie sie sich kurz blicken lässt und wieder im Unterholz verschwindet. Es ist ein magisches Stück Land, auch wenn die Begegnung mit den Bären mich respektvoll etwas schneller weiterfahren ließ. Durch mein generell schnelles Tempo bin ich aber auch zügig durch den Park hindurch und wieder im urbaneren Gebiet. 

Gegen 13 Uhr habe ich die 100 km Marke erreicht, mein Zielort Kretzy wird zum Mittagsplatz. Kurz danach treffe ich den ersten Radler der wie ich unterwegs ist. Er ist Andrey, er kommt aus Rrussland und ist 45 Jahre alt. Zu mehr reicht unsere durch die Sprachbarriere behinderte Komunikation nicht. So tauschen wir nur noch schnell etwas Nahrung aus, schießen ein gemeinsames Foto und jeder fährt seiner Wege. 

In meinem Kopf wächst der Gedanke an die Möglichkeit den längsten Tourtag der Reise zu machen. Die einzige größere Pause mache ich gegen 15:30 Uhr an einer Tankstelle, will aber dann noch die mittlerweile hinter den Wolken hervorgekommene Sonne ausnutzen und gebe nochmal Gas. Ich komme an Weliki Novgorod vorbei, die größere Stadt der Region und entschließe mich kurz danach mein Nachtlager zu suchen. 

Dieses suche ich längere Zeit vergebens, erst gegen 18 Uhr finde ich einen geeigneten Ort. Dieses Feld ist etwas hügelig und es gibt ein paar zu viele Ameisen, andererseits will ich nur noch schlafen und nehme den Platz einfach. 185 km sind es heute geworden, ich habe einen warmen Kopf vor Müdigkeit und ich muss mich anstrengen um das Zelt schnell und akribisch aufzubauen. Anschließend telefoniere ich kurz mit daheim und buche dann das Hostel für Sankt Petersburg. 

Ich liege schon im Schlafsack, da beginnt es für zwei Stunden zu regnen. An sich hält das Zelt dicht, trotzdem wird es feucht und klamm. Doch in Gedanken bin ich nur dabei, dass ich heute einen ganzen Tag auf meinem Weg herausgefahren und zugleich die 4.000 km Marke der gesamten Reise überschritten hatte. Glücklich schlafe ich ein. 

















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