Abenteuer können wir!

13.05 

Nach einer zu warmen Nacht erwachen wir im Schlafsaal unseres Hostels. Es is noch sehr früh, allerdings steht heute mit Petra auch ein echter Brocken auf dem Programm. Als wir auf unsere Terrasse kommen, steht schon ein gemachtes Frühstück für uns bereit. Die Jungs vom Hakaia Hostel machen ihrem Namen, welcher „Zuhause“ bedeutet, alle Ehren und wir fühlen uns absolut wohl und gut versorgt. 

Dann geht es im Eiltempo Richtung Busstation. Leider gibt es zwei davon und wir nehmen die falsche. Der Bus um 8:30 Uhr fährt an einem anderen Ort ab und so müssen wir uns wohl oder übel mit dem Local Bus abfinden, welcher abfährt wenn er voll ist. 
Aber falsch gedacht! Ein findiger Taxifahrer handelt mit uns einen Deal aus, welcher zwar preislich teurer ist, dafür können wir zwei Stunden länger als alle Bustouristen in Petra bleiben, denn diese müssen spätestens mit dem letzten Bus um 16 Uhr abfahren. 
Zudem dürfen wir im Preis inbegriffen Lara aus Petra mit zu uns zurück nach Aqaba nehmen und wir müssen den Fahrtpreis erst bei der Rückkehr ins Hostel begleichen. 

So sitzen wir fünf Minuten später im Auto des Sohnes des Taxifahrers und los geht die Fahrt in Richtung Weltkulturerbe. 
Philipp nutzt die Fahrt zum Schlafen, der Fahrer die „Pausen“, um an Orten anzuhalten wo Touristen Gedöns kaufen können und Simon schreibt im Blog weiter. Gegen 10:30 Uhr kommen wir endlich an und warten auf Lara, die mit dem Bus aus Amman eine halbe Stunde später zu uns stößt. Die Freude ist groß, mindestens genauso wie Laras Wanderrucksack, welchen sie für die zwei Tage mit uns mitgenommen hat. 

Wir stehen zwischen den großen Touristengruppen die von Führern nummeriert werden und über  das Visitors Center und die Hauptstraße des Areals zu den wichtigsten Orten gelotst werden. Wir merken, wie wir uns nach Ruhe und Abgeschiedenheit sehnen. Aber zunächst müssen wir mit allen Menschen durch die Schlucht. Die Gesteinsformationen und die Farbe der Steine überwältigen uns, es ist durchaus verständlich, warum genau dies der meistbesuchte Ort Jordaniens ist. Neben den Touristen mischen sich auch noch Pferde, Kamele und von Beduinen geleitete Eselkarren in den Strom all jener, welche in die Schlucht hinein oder wieder aus ihr heraus wollen. Das Wort, das man am meisten hört ist „Yalla“, welches den Tieren zugerufen wird und sie antreiben soll. 

Wirklich etwas nervig sind die klassischen Touri-Trödelstände, die absolut unnötigen und überteuerten Mist verkaufen und das Gefühl von Petra als Naturschauspiel eintrüben. Schaut man jedoch eher nach oben Richtung Himmel ist man verzaubert von den vielen Farben der „roten Schlucht“. Nach circa zwanzig Minuten Laufweg erreichen wir das erste Highlight Petras, die Treasury. Mitten in den Fels gebaut ragt die riesige Fassade des Gebäudes gute 30 Meter in die Höhe und ist durch die Schlucht schon von weitem zu sehen. Kurz davor öffnet sich die Schlucht dann zu einem Krater und man steht wieder zwischen vielen Menschen. 

Kaum angekommen bietet uns ein windiger Beduine an uns zu einem Spot weiter oben mitzunehmen, allerdings könnten wir dort nicht alleine hin, sondern müssten mit einem Local gehen und diesen bezahlen. Er sei so ein Local und wir sollten doch mitkommen.

Nach einem unfreundlichen Rat eines Polizeibeamten der Tourism Police lassen wir uns darauf natürlich nicht ein und klettern stattdessen auf der anderen Seite ein wenig empor. Durch Zufall sehen wir dort ein kleines Schild, welches besagt für einen Jordanischen Dollar könnte man hier die Aussicht genießen und Fotos machen. Der Platz hoch über den Touristen wird von einem ungefähr zwölfjährigem Jungen bewacht, welcher wirklich sehr gut Englisch spricht. Hier machen wir in Ruhe unsere Fotos und genießen es, nicht unten mit den Gruppen zu sein. 

Nach der Pause geht es wieder hinein ins Getümmel. Dieses hat glücklicherweise nachgelassen, da wir nun hinter den meisten Menschen sind. Eigentlich wollen wir einen Pfad zu den Gräbern Petras nehmen, leider finden wir den Eingang aber nicht. Keine 300 Meter weiter geht jedoch ein Pfad von dem Hauptweg ab, welcher über viele Stufen nach oben in Richtung des Randes des Kraters führt. Wir schlüpfen an den Beduinen vorbei, welche hier wieder ihre Dienste anbieten wollen und machen uns an den Aufstieg. 
Dieser längere Umweg soll gute drei Stunden dauern, eine Zeit, die zur besten Zeit in Petra werden wird. 

Immer weiter bergauf geht es, wir teilen uns das Tragen von Laras Rucksack und begegnen nur sehr wenigen Leuten. Die meisten Touristenläden sind geschlossen, oder aber ihre Inhaber dösen im Schatten, Ramadan eben! 
Wir erreichen die Spitze des Berges auf welchen wir laufen und stehen vor einer Ruine eines Gebäudes mit Opferaltar. Klar, dass sich Simon dort erstmal drauflegen muss. Dann geht es weiter und bergab in eine der Seitenschluchten. Die Treppen werden kleiner, verwinkelter und wir genießen die absolute Stille, welche lediglich vom Glockengebimmel der Schafe und dem Rufen von Eseln unterbrochen wird. 
Wir sehen versteckte Gebäude, rot-weiss marmorierte Felsen und tolle Ausblicke über die Wüste und die vielen Berge bis nach Israel. Dort sind wir vor Tagen noch am toten Meer entlanggefahren... verrückt! 

Dann folgt ein klassischer Simon und Philipp-Moment... denn wir entdecken eine kleine Höhle auf einem Plateau. Vor dem Höhleneingang liegt ein Stein welcher eine Art schwarzen Gartenschlauch beschwert, der an der glatten Wnad herunterbaumelt. Dort hochzukommwn wär doch was. Also nix wie hin und Simon ergreift das „Seil“. Erstmal dranhängen, das Ergebnis ist: Der Stein hält das Seil. Philipp spotted Simon während dieser emporkraxelt, doch am Rand der Felswand angelangt reisst das Seil und Simon fällt aus einer Höhe von gut drei Metern herunter. Beim Fangen fällt auch Philipp nach hinten und mitten hinein in eine zuvor unbemerkte Pflanze welche sich als eine Art Brennnessel entpuppt... nur sehr viel schlimmer. Das linke Bein, die linke Gesichtshälfte und der linke Arm brennen nun wie Feuer und die Haut wirft kleine Pusteln. 

Beschissen gelaufen, aber ernstlich wehgetan haben wir uns nicht und 30 Minuten später endet auch das Brennen. Wie gesagt, Abenteuer können wir! 

Nach 2,5 Stunden inklusive karger Essenspause, eine Avocado, Nüsse und Tuc-Cracker für drei Leute, erreichen wir wieder den Hauptweg, nicht ohne davor mit zwei netten Spanierinnen und zwei Polen Bekanntschaft in einem Unterstand gemacht zu haben. Auch hier bedient ein kleines, vielleicht vierjähriges Mädchen mit ihrem vielleicht zehnjährigem Bruder. Das gibt uns schon zu denken. 

Wir trennen uns von den Anderen und richten unseren Blick auf den Weg zur Monastary, dem Kloster, welches über rund 850 Stufen erreicht wird. Die großen Menschenmassen sind verschwunden, wir haben sie mit unserem Wanderpfad umgangen und sie sitzen schon wieder in ihren Bussen. Jetzt geht es merklich ruhiger zu und deutlich schneller als angegeben erreichen wir unser Ziel. Das Kloster ähnelt der Treasury, allerdings erhält es wegen seiner höheren Lage mehr von der schönen Abendsonne Jordaniens. Bei einer Cola und einem Riegel genießen wir die Aussicht, ehe wir uns auf den Rückweg machen müssen, da um 18:00 Uhr unser Taxi nach Hause bereitsteht. 
Auf dem Rückweg kommen wir noch am alten Theater Petras vorbei und erklimmen noch kurz einige Gräber und kommen fast eine halbe Stunde zu spät am Taxi an. Der Weg war eben etwas länger als gedacht. 

Andererseits waren wir gute 9 Stunden in Petra und haben fast alles gesehen. Zufrieden wird sich ins Taxi gesetzt und deutlich schneller als vorher geht es nach Aqaba. Verständlich, da wir den Taxifahrer davon abhalten pünktlich um 19:30 Uhr mit seiner Familie das Fasten zu brechen und diese daher auf ihn wartet. 
In Jordanien ist es zudem Brauch, bevor man wirklich isst, das Fasten mit einer Dattel und Wasser für den Tag zu beenden, weswegen auf den Straßen viele hilfsbereite Menschen mit verpackten Datteln und Wasserflaschen stehen, um den Truckern und Taxifahrern diese in die Wägen zu reichen. 

Auch wir erhalten ein Paar und so beenden wir das Fasten mit dem netten Mann gemeinsam. Dieser ist jedoch auch Geschäftsmann und versucht während der Fahrt öfter unsere nächsten Tage so zu planen, dass er unser Fahrer für den Strand und Wadi Rum und am besten noch bis zurück nach Deutschland ist. Irgendwann lässt er es aber gut sein und besonders Simon, der neben ihm sitzt, ist darüber sehr dankbar. 

Dann sind wir endlich im Hostel, wo eine große Reispfanne auf uns wartet. welche wir fast komplett vernichten, denn auch wir hatten heute gemessen an den Anstrengungen von fast 9 Stunden wandern sehr wenig zu essen. Im Anschluss treffen wir Osama, einen Freund von Lara und seinen älteren Bruder Mohammed. Zwei total liebe Typen die uns in ihrem Auto abholen und erstmal zu einem Falaffelstand fahren, denn wir haben wieder Hunger! Anschließend geht es gemeinsam zum etwas außerhalb liegenden South Beach, mit dem schönsten Strand in Aqaba. Windgeschützt unter einem Strandschirm verbringen wir einen wunderbaren Abend/Nacht und springen auch nochmal kurz in das rote Meer... beziehungsweise wir kraxeln, denn hier gibt es keinen Sand sondern vorwiegend korallenartige Steine die pieksen. Trotzdem sind wir sehr glücklich über diesen ereignisreichen Tag als wir gegen 2 Uhr morgens wieder im Hostel ankommen. Wir freuen uns, die Jungs morgen wiederzusehen, denn Osama holt uns zum Tauchen und Schnorcheln ab und Mohammed bietet an, uns gegen Mittag nach Wadi Rum zu fahren! 
Einfach wunderbar wie sich alles entwickelt hat. Das hier ist deutlich besser als Eilat! 























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