Das kleine Örtchen Tver
22.05









Mein Tag beginnt gegen 8:00 Uhr morgens, fahrbereit bin ich um 9:15 Uhr. Die Nacht war wegen der nahen Straße und die vorbeifahrenden LKW ein wenig laut, irgendwie habe ich aber trotzdem relativ gut geschlafen. Ich bin noch keine zwei Kilometer gefahren, als ich an den großen, hier fast seenartig ausgebreiteten Fluss Wolga gelange. An dieser Stelle ist um mich herum nur Natur, mal abgesehen von der Straße auf der ich fahre. Alle Pflanzen erstrahlen im satten Grün, viele davon sind in der Blüte und so sehe ich auch viel weiß und lila mit sich tummelnden Bienen und Hummeln darum herum.
Meine erste große Station für heute ist die Stadt Tversein, welche ich nach 58 km erreichen soll. Zwischendurch mache ich zwei bis drei kleine Pausen zum Frühstücken und Beine verteten. Der Gegenwind aus Nordwesten macht die Fahrerei deutlich schwerer, trotzdem passen meine Leistungen bisher und so komme ich damit zurecht.
Gegen 12 Uhr erreiche ich Tver, bei der Seinfahrt geht es zunächst durch ein wenig ansehnliches Industriegebiet, je näher ich jedoch wieder der Wolfa komme, welche auch durch diese Stadt fließt, wird es schöner und grüner. Tver gilt in Russland als kleinere Stadt mit rund 450.000 Einwohnern... na klar! Ganz niedlich das Örtchen, welches nebenbei fast doppelt so groß ist wie die thüringische Landeshauptstadt Erfurt.
Durch einen schönen Park direkt am Fluss entlang geht es und ich habe ein nettes „Gespräch“ mit einem alten russischen Mann, welcher versucht mir in Gebärdensprache die Wichtigkeit von Elektrolyten während meiner Reise zu erklären. Wo er recht hat, hat er recht!
Leider gibt es keinen flussnahen Rastplatz und so bin ich mal wieder gehalten, an einer Tankstelle zu stoppen und mich dort neben die Zapfsäulen in den Schatten zu setzen. Was in Russland wirklich auffällt wenn man wie ich genug Zeit an Tankstellen verbringt, sind die sagenhaft günstigen Spritpreise. 46 Rubel pro Liter, das sind keine 70 Cent. Dementsprechend ist hier auch das Auto Verkehrsmittel Nummer 1.
Mein Zielort für heute soll Torschok sein, ein kleines Örtchen zu dem es noch weitere 60 km sind. Bedeutet wieder 120 km am Tag. Aber das machen wir schon. Die Fahrt verläuft ereignislos, ich mache nochmal ein Nachmittagsschläfchen an einer Bushaltestelle und genieße den warmen Asphalt unter meinem Rücken der die Muskulatur ein wenig lockert. Gegen 17:30 Uhr bin ich schließlich angekommen, ein weiteres Hörbuch ist beendet und ich will nur noch zwei Dinge: Essen und Schlafen.
Das Essen koche ich an einem Kiosk im Ort, sehr zur Verwunderung und Belustigung der Bewohner die meine Kochutensilien skeptisch mustern. Anschließend fahre ich wieder etwas aus Torschok heraus und in Richtung der E 105 um meinen Schlafplatz zu suchen. Schnell werde ich fündig und bin mit der großen Waldlichtung die ich vorfinde sehr zufrieden. Ein weiterer Lerneffekt ist, dass dann alles sehr zügig gehen muss, da hier in der Natur die Mücken regieren. Ich liege schon in meinem Schlafsack und beschäftige mich mit Hörspielen, Blogposts und ähnlichem als mich ein nahes Rotorengeräusch nochmal aufschrecken lässt.
Ich öffne mein Zelt und sehe gerade noch einen Armeehubschrauber mit voller Bewaffnung in etwas 200 Metern Höhe über mich wegfliegen. Ganz normal denke ich mir und schließe wieder das Zelt. Dieses Geräusch werde ich heute bestimt noch zehn Mal hören, ehe ich in den Schlaf sinke. Welcome ro Russia!
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