Der unverhoffte Shabbat

04.05

Abreise- beziehungsweise Anreisetag. Heute sagen wir „Adieu“ Tel-Aviv und „Servus“ Jerusalem... oder so ähnlich. Dies wird sich jedoch schwieriger gestalten als gedacht. Denn wir haben um 11 Uhr Checkout aus unserem Appartement und es ist Samstag, was hier Shabbat bedeutet. Das Wochenende beginnt hier bereits Freitags ab dem Mittag und endet am Samstag nach Sonnenuntergang. Sonntag ist dann Start der neuen Woche! Problematisch ist für uns, dass die eigentlich alle 15-20 Minuten abfahrenden Busse vom zentralen Busbahnhof am Shabbat gar nicht fahren. 

So müssen wir also bis nach Sonnenuntergang warten um unseren Ortswechsel vollziehen zu können. Dafür können wir aber nochmal nach Jaffa in die Altstadt und mit Verena im bereits getesteten und liebgewonnenen Cafe Puaa genüsslich frühstücken. 
Es geht los, wir mit den vollgepackten Rädern und Verena mit ihrem Koffer auf einem der Elektroroller. Ich glaube wir sind ein schöner Anblick für die Bewohner! 
Dazu haben wir mal wieder Traumwetter mit fast 30 Grad und wenig Wolken am Himmel. Tschakka!

Nach dem wieder vorzüglichen Frühstück, wir alle hatten das Sabbich Breakfast mit panierten Auberginen, geht die erneute Altstadttour durch die kleinen Gässchen Jaffas los. Es ist deutlich voller als bei unserem ersten Besuch und so ziehen wir uns bald auf die Spitze des Berges der Altstadt zurück und genießen die grandiose Aussicht auf den langen Strand und die Wolkenkratzer der Neustadt. Zudem beratschlagen wir, wie wir unsere verbliebene Zeit nutzen wollen. 

Wir beschliessen, zunächst ins Neve Tsedek Viertel zu schlendern, werden noch nicht fündig auf unserer Suche nach etwas Richtigem und irren durch die Straßen des Viertels Florentin. Auch hier hat die Mehrzahl der Restaurants wegen Shabbat geschlossen, doch ein kleines gallisches Dorf trotzt dieser Übermacht und so kehren wir in einem netten Cafe ein. Da wir in Strandnähe sind ist auch unser nächstes Ziel klar. Es ist bereits Spätnachmittag als wir ankommen und wir freuen uns über die Möglichkeit hier bald den Sonnenuntergang miterleben zu können. 

Aber zuerst rein ins Wasser. Wir haben sichtlich Spaß durch die Fluten zu waten und uns in die Wellen zu werfen. Das Wasser ist angenehm kühl, mit dem Fortschreiten der Zeit ist es uns dann aber zu windig weswegen sich auf die Handtücher zurückgezogen wird. Es folgt einer der schönsten Sonnenuntergänge unseres Lebens. Ohne eine Wolke am Himmel versinkt die blutrote Sonne Zentimeter um Zentimeter im Meer. Allerdings werden wir von diesem Spektakel leicht abgelenkt, da neben uns professionelle Bilder gemacht werden und wir so eine Lehrstunde in Sachen Posing geboten bekommen. Israels-Next-Topmodel-like wird sich in die Brandung gesetzt, es wird gesprungen und mit den Wellen gespielt... allerdings reden wir nur von einem Mädchen und ihrer Freundin die hier Fotos machen! 

Das Verschwinden der Sonne bedeutet jedoch auch das Ende des Shabbats und so brechen wir zum Busbahnhof auf um gegen 20 Uhr unser Shuttle nach Jeusalem zu nehmen. Karten müssen vor Ort beim Fahrer gekauft werden und so wollen wir gerne etwas früher dort sein. Dies gestaltet sich als unmöglich, da alle Elektroroller auf unserem Weg wegen wenig Akku nicht funktionieren. Ein Saftladen hier! 

Der Bahnhof selbst ist wohl mit das Hässlichste in dieser Stadt. Laut, dreckig, voller Läden die Schrott verkaufen und mit den klassischen Sicherheitskontrollen ist es ein einziger Nerv. Noch dazu müssen wir in den sechsten Stock um zu unserem Abfahrtsort zu kommen. Also mit den Rädern die Rolltreppe hinauf. Die Leute hinter uns schauen etwas ängstlich ob dem Gewicht welches potenziell auf sie zufliegen könnte, allerdings verläuft alles problemlos und so reihen wir uns in die Schlange der Wartenden vor unserer Station ein. 

Als wir endlich dran sind, fragt Philipp den Busfahrer wie viele Plätze noch vorhanden sind. Seine Antwort ist zehn. Also nichts wie rein die Räder in den Gepäckraum des Busses. Das letzte Rad ist verstaut und sofort schließt die Klappe. Schnell hüpfen wir in den Bus und los gehts. Natürlich sind keine zehn Plätze mehr da, also heisst es für uns dass wir auf dem Boden im Gang sitzen. Aber für den Preis von 12 Euro für drei Personen inklusive freier Fahrradmitnahme ist das kein größeres Problem. 

In Jerusalem angekommen bemerken wir sofort die Architektur und die verwendeten Baustoffe der Häuser. Wir fühlen uns an Jaffa-Altstadt erinnert und laufen munter Richtung unseres hier gebuchten Air BnBs. 

Dann die Ernüchterung. Unser Host hat unsere Buchung trotz eineinhalb Wochen Vorausbuchung nicht mitbekommen und ist zudem nicht zugegen, sodass wir gegen 22:30 Uhr abends vor verschlossener Tür stehen. Wir sind ziemlich stinkig, da wir nun ein Hostel suchen müssen, welches mindestens genauso teuer wie das Appartement ist, jedoch viel weniger Luxus bietet. 

Also geht es wieder los und wir finden nach einer weiteren Stunde ein geeignetes Hostel names Stay Inn. 
Wir bekommen ein Sechser-Zimmer welches in der ersten Nacht aber gesichert nur uns dreien gehört. Damit können wir leben, trotzdem ist dieses Verhalten bei einer gebuchten Wohnung absolut inakzeptabel. 

Im Zimmer wollen wir noch den nächsten Tag planen, als uns die Nachrichten bezüglich der erneuten aufgeflammten Gewalt zwischen Israel und den Kämpfern des Gazastreifens erreichen. Minütlich wird von mehr abgeschossenen Raketen auf Israel und deren Verteidigungssystem Iron Dome berichtet. Wir sind geplättet ob der Surrealität. Keine 100 km von uns sitzen zu diesem Zeitpunkt Menschen in Schutzräumen und wir haben den ganzen Tag nichts mitbekommen. 

Wir informieren uns weiter anstatt schlafen zu gehen, weshalb uns gegen 1:00 morgens der Hunger überkommt und es daher nochmal nach draussen geht um in der nahegelegenen Fußgängerzone Schawarma zu essen. Nach der Sättigung kommt auch endlich das erhoffte Müdigkeitsgefühl und so legen wir uns rasch in die Betten. 








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