Der wilde Wald
23.05
Ein kurzer Schauer in der Nacht beschert mir einen kühleren Morgen und ein etwas feuchtes Überzelt. Trotzdem ist der Boden ziemlich trocken, als ich das Rad zurück auf die Straße schiebe. Vorne links abbiegen und dann bin ich wieder auf meiner Straße in Richtung Petersburg. Heute steht der Wind ungünstiger und ich habe mehr Gegenwind als mir lieb ist. Die Natur wird wilder, die kleinen Häuschen sind verfallener oder schon komplett zusammengebrochen.
Trotzdem ist es hier wunderschön. Viele Fichten und Birken wechseln sich zwischen kleineren und größeren Seen miteinander ab und ich merke, dass ich nördlicher komme. Zumindest fühlt es sich so an.
Die Mittagspause ist nach 70 km in Wyschni Wolotschok geplant, bis dahin ist es hügeliger als die letzten Tage. Kurz vor dem Ort sehe ich den ersten anderen Radfahrer seit Moskau. Es handelt sich um einen jungen Arbeiter auf einem viel zu kleinen Fahrrad. Relativ schnell hole ich auf und bin an ihm vorbei, während er mir etwas wehmütig nachschaut... ich kann ihn verstehen. Mit diesem Rad die Hügel zu fahren macht keinen Spaß!
Wolotschok erreiche ich gegen kurz nach 11 Uhr, hier möchte ich essen und einen Supermarkt finden. Daraus wird jedoch nichts, denn alle Supermärkte befinden sich gerade im Umbau und haben geschlossen. Etwas angesäuert fahre ich weiter bis zu einem Mc Donalds und lege mich dort auf eine nahegelegene Wiese in den Schatten. Dort schlafe ich ein... für 2,5 Stunden. Erst gegen 14 Uhr breche ich wieder auf, während der Wind noch ein wenig zunimmt. An solchen Tagen fehlt ein Partner zum gemeinsamen Durchstehen schon etwas. Aber auch diese Gedanken bekomme ich mit einigen Podcasts in den Griff.
Den Zielort Kuzhenkino durchfahre ich gegen 17 Uhr einfach und mache erst auf einer Tankstelle zum Abendessen Rast. Hier futtere ich den ganzen Vorrat aus der Tankstellentheke auf und setze mich für noch zwei weitere Kilometer auf das Fahrrad, um den Schlafplatz zu erreichen. Es handelt sich um ein schönes kleines Feld, welches etwas lautstärkegeschützt abseits der Straße hinter einer Baumreihe liegt. Auch hier muss das Aufstellen des Zelts flink erledigt werden, denn die Mücken sind wieder da. An die zwanzig Stück hängen schließlich an meinem Innenzelt, während ich mich schlaffertig mache. Dann versuche ich einzuschlafen, es gelingt mir wegen der weißen Nächte hier aber nur sehr schwer. Ich freue mich auf morgen und kann gegen 23 Uhr endlich einschlummern.
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