Die Sirene
02.05
Verena ist da. Noch in den frühen Morgestunden hat sie sich in unser Appartement geschlichen, nach fast einem ganzen Tag Anreise. Daher schlafen wir alle etwas länger, ohne uns bewusst zu sein, welch ein Tag heute ist. Gegen 10 Uhr werden wir wegen einer Sirene aus dem Schlaf gezerrt, wir wundern uns über die Art des Tons. Vergleichbares kennt man nur aus alten Dokumentantionen wenn die Sirenen während des Krieges vor Luftschlägen warnten.
Erst Tage später werden wir herausfinden, dass genau heute jährlich um 10 Uhr diese Sirene an die Opfer des nationalsozialistischten Holocausts erinnert. Hierzu erschallt dieser Ton landesweit und für diese zwei Minuten steht Israel still. Selbst auf den Autobahnen und in den Zügen wird angehalten um der auf grausamste Weise aus dem Leben gerissenen Juden zu gedenken.
Davon nichtsahnend machen wir uns fertig, schlendern nach Essensinspiration suchend durch den Markt in unserem Viertel und entscheiden uns letztlich doch im Cafe Benedict zu frühstücken. Es ist ein nettes Cafe mit leckerem Essen, allerdings ist es bisher auch die teuerste Mahlzeit. Im Anschluss mieten wir uns drei Elektroroller. Eine super Sache um die Stadt als Fußgänger schnell zu erkunden. Die App funktioniert sehr gut und im Nu stehen wir auf unseren Vehikeln und preschen durch die angelegten Alleen in Richtung HaBima Square und dem Helena-Rubenstein-Pavillion für zeitgenössische Kunst. Auf dem Weg können wir noch die weißen Gebäude im Bauhausstil begutachten die an der Rothschildallee gelegen sind... Deutsche wirklich überall!
Am HaBima Square angekommen lümmeln wir uns unter einen Baum im angrenzenden kleinen Park und essen unsere auf dem Markt erstandenen Oliven. Da es wieder sehr warm ist genießen wir die schattige Oase und planen den Weg zum Tel Aviv Museum of Art.
Nach 10 Minuten laufen stehen wir auf dem Platz vor dem Museum, welches schon architektonisch ein echter Hingucker ist. Wir entschließen uns das Museum zu besichtigen und betreten die obligatorische Sicherheitskontrolle die es an jeder größeren Attraktion in Israel gibt.
Im neueren und baulich futuristischeren Teil des Museums befinden sich viele Installationen und neuere Kunstwerke. Unter anderem gibt es hier auch eine Ausstellung eines Kibbutz zur Aufarbeitung und Erinnerung an die Opfer und Überlebenden des KZ Buchenwald. Zufälligerweise ist auch der Künstler zugegen und gibt anderen Gästen gerade einen Einblick in die Austellung sodass wir noch einige interessante Informationen mit aufschnapen können. Andererseits ist die Thematik bedrückend und die geschaffenen Werke sehr eindrücklich gestaltet, sodass man sehr nachdenklich aus den Räumen wieder in die anderen Säle des Museums wechselt.
Im älteren Teil des Museums ist dann eher die klassische Kunst der alten Meister zu sehen. Picasso, Gaugin, Chagall und Van Gogh, von ihnen allen sind Werke ausgestellt. Hier schlendern wir aber mehr durch, da das Museum sowieso zu groß ud umfangreich ist und wir lieber wieder in die Sonne wollen. Alles in allem aber ein absolut empfehlenswerter Spot zum Besichtigen.
Es ist schon 17:30 Uhr als wir wieder die Sonnenstrahlen auf der Haut fühlen. Unsere Mägen melden sich zu Wort und so suchen wir nach einem Markt in der Nähe. Nächstes Ziel ist der Sarona Markt. Dort angekommen stellen wir zunächst erstmal fest, dass hier ein neues Hochhaus oder gleich zwei entstehen sollen, da sich vor dem Eingang des Marktes eine riesige Baugrube mit Tiefe um die 30 bis 40 Meter auftut. Über einen Steg, der an den Abgrund gebaut ist erreichen wir unser Ziel und tauchen ein in den doch eher sehr schick und trendy gehaltenen Markt. Hier gibt es fast ausschließlich Essen und Cafes die wohl eher von Menschen mit etwas mehr Geld frequentiert sind. Trotzdem finden wir leckere Falaffel und genießen den Wrap sichtlich. Gestärkt geht es wieder mit den Rollern Richtung Strand.
An den Stränden ist gegen Abend viel los, unzählige Jogger laufen über die Promenade, die hippen Bars spielen Musik, am Strand selbst spielen Leute auf mehreren Beachvolleyballplätzen oder trainieren an den öffentlichen Trainingsgeräten.
Die Gemütlicheren holen sich eine Liege oder spazieren am Strand entlang und genießen den Sonnenuntergang.
Nachdem es kühl geworden ist, geht es nun zu Fuß zurück zu unserer Wohnung. Dort angekommen geht Philipp nochmal los um eine Kneipe zu finden welche die Eintracht gegen Chelsea überträgt. Nach kurzem Suchen ist eine kleine Bar voller alter Männer gefunden. Spätestens nach dem Führungstreffer der Frankfurter weiss jeder in der Bar woher ich komme und so entwickeln sich tolle Gespräche über unsere Reise. Einer der Männer ist sogar so nett und gibt mir mein Bier aus! Nach Abpfiff gehts dann wieder nach Hause denn das Bettchen ruft. Ein langer und sehr interessanter Tag geht zu Ende. Aber morgen geht es weiter, denn wie sagen wir immer so schön: „Das reicht uns noch nicht!“












Comments
Post a Comment