Die unterirdische Stadt
20.05
Alles steht im Zeichen des Rades. Mein letzter Tag in Moskau beginnt und es müssen einige Dinge vor der Abreise erledigt werden. Zunächst muss die finale Folge von Game of Thrones angeschaut werden, damit ich später gefahrenlos das Internet benutzen kann. Ich weiß ja schon, das mein Fahrrad angekommen ist, noch will ich die Transportbox aber, wegen der diffusen Angst dass etwas nicht stimmen könnte, nicht aufmachen.
Nach den eineinhalb Stunden semilegalen Streamens wage ich mich aber doch daran. Ein großes Gefühl der Zuneigung kommt auf, als ich das Rad wieder aus der Box heben kann, alles sieht gut aus... JOKE!
Die Idioten haben eine meiner Hydraulikbremsen kaputt gemacht, etwas, was ich ohne professionelles Werkzeug nicht reparieren kann. Zum Glück habe ich gestern schon Velomir, ein Radgeschäft in der Gegend, ausfindig gemacht und nachdem das Rad zusammengebaut ist, geht es direkt in diese Richtung los. Zudem bietet mir die Strecke die Möglichkeit Moskau auf seine Fahrradtauglichkeit zu überprüfen und eine Ecke der Stadt zu sehen, welche ich bisher ausgelassen hatte.
Auf dem Weg zum Radladen mache ich bei einem Campinggeschäft Halt und besorge mir noch eine Gaskartusche um auf der Reise wieder kochen zu können. Dann endlich kann ich mein Rad in die Hände des Werkstattmeisters bei Velomir legen, der meinte er hat heute wenig zu tun und würde mir Gangschaltung und Bremse in vierzig Minuten reparieren! Vierzig Minuten... so schnell waren meine Räder bisher nie wieder intakt.
Ich leiste mir eine neue Kette und neue Bremsbeläge für die Scheibenbremsen, dann ist das Rad wieder wie neu. Unfreiwillig teste ich das Rad länger als gedacht, da mir auf der Hälfte des Rückwegs auffällt, dass mein Schloss noch im Geschäft liegt. Nach diesem Trottelmoment radle ich noch durch den Gorki-Park und von dort zurück zum Hostel.
Ich habe noch eine Fahrt auf meiner Metrokarte und die möchte ich ausnutzen, um mir die schönsten Metrostationen der Stadt anzusehen. Das tolle ist, dass man so lange mit der Karte fahren darf, bis man an einer Metro Station die Auslassschranken passiert. Für mich bedeutet es, dass ich mit einer Fahrt ungefähr eineinhalb Stunden durch den Moskauer Untergrund von Station zu Station tingeln kann, ohne weitere Tickets zu ziehen. Die Komplexität der Stationen und ihrer Verbindungen, die wunderschönen Bilder und die Stuckarbeiten machen diese Welt hier unten zu einer eigenen Stadt!
Ich starte von meiner Station Borovitskaya aus und bewege mich zunächst zur Station Park Pobedy, wo man die längste Rolltreppe der Welt fahren kann. Einmal rauf, einmal runter, rein in die Bahn und auf Richtung der Station Kijewskaya. Hier wechsele ich auf die braune Ringlinie der Stadt und besuche noch die pompösen Stationen Novoslobodskaya, Arbatskaya und Komsomolskaya. Hier fahren die Bahnen im Minutentakt und so wird es nie langweilig. Abschließend verlasse ich die Metro an der Station Arbat Street, einer der Moskauer Fußgängerzonen und Einkausstraßen, um etwas zu Essen zu organisieren.
Hier finde ich auch ein Hardrock Cafe, also nix wie rein und T-Shirts für mich und meine kleine Schwester kaufen. Mit vollem Bauch geht es zurück ins Hostel, die Sachen müssen umgepackt werden, die Etappen sind zu planen und ich brauche etwas Ruhe. Meine Mitbewohnerin im Zimmer kommt gerade aus Sankt Petersburg und schenkt mir ihre Metrokarte mit verbliebenen Fahrten drauf! Super, freies Bewegen in Sankt Petersburg! Mit Eric, einem Amerikaner der sich in Russland niederlassen will, geht es nochmal einkaufen und Abendessen organisieren.
Ab dann will ich alleine sein, lege mich mit Harry Potter ins Bett und lasse die Gedanken um die Abreise kreisen. Morgen also die erste Nacht alleine im Zelt. Mal sehen wie es wird.
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