Ein pragmatischer Abschied
17.05
Heute ist der Tag gekommen, wie oft haben wir davon gesprochen, haben darüber nachgedacht wie es wohl sein wird wenn wir uns in Tel-Aviv für den nächsten Monat verabschieden werden. Doch zunächst heisst es aufstehen, labberiges Hostelfrühstück verschlingen und all unsere Habseligkeiten zur nahe gelegenen Bushaltestelle schleppen. Dort angekommen treffen wir nach kurzer Zeit ein Pärchen aus Wien, welches ebenfalls mit diesem Bus zum Flughafen möchte. Nur leider kommt und kommt der nicht. Die Abfahrtszeit von 8:08 Uhr ist schon lange überschritten, da sehen wir den Bus dieser Linie um die Kurve biegen... nur nicht in unsere Richtung. Wir müssen uns damit abfinden, dass es heute also keinen Bus für billiges Geld gibt.
Von der anderen Straßenseite brüllt ein Großraumtaxifahrer, er könne uns alle mitnehmen, als er aber merkt das unsere Fahrradboxen nicht durch die Tür passen werden, will er einfach wegfahren während noch die Hälfte unserer Sachen im Auto liegen. Ein weiterer Taxifahrer kommt hinzu und es entwickelt sich ein Wortgefecht auf israelisch. Das Ende der verwirrenden Situation ist, dass wir mit den Wienern im Taxi des anderen Fahrers sitzen, die Fahrräder verstaut sind und wir für ungefähr 20 Euro pro Nase zum Flughafen Ben-Gurion gefahren werden.
Eine halbe Stunde später verabschieden wir das Pärchen am Terminal 1 und flitzen zu Terminal 3... ein Terminal 2 gibt es nicht... na klar! In der Schalterhalle ging es dann für Philipp zum Aeroflot Check-In-Schalter, Simon kam mit, denn sein Schalter war noch gar nicht bekannt. Nach einer kurzen Befragung durch die israelischen Sicherheitsbehörden durften wir als allererste Einchecken, denn wegen der Räder müssten wir noch zu einem anderen Oversize-Gepäck-Schalter welcher zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen würde.
Wirklich nett die Aeroflot-Mitarbeiter und gut gelaunt geht's zum Fahrradgepäckschalter.
Hier beginnt die Odyssee. Zunächst soll die bereits geschlossene Fahrradbox wieder geöffnet und alle losen Teile entnommen werden. Soweit so gut. Dann muss aus unerfindlichen Gründen der Schalter gewechselt werden. Philipps Fahrrad verschwindet in einem Raum, er wird es nicht mehr wiedersehen. Gut eine Stunde wird vor dem Raum gewartet, ab und an kommen Mitarbeiter mit Werkzeugkästen heraus oder herein, dann steht plötzlich ein Hampelmann vom Security-Check vor Philipp und bedauert mitteilen zu müssen, dass man zwar gerne den Flug antreten könne, allerdings reiche die Zeit nicht aus um alle Sicherheitschecks am Rad abzuschliessen und es deswegen nachgeschickt werde. Welche Checks durchgeführt werden dürfe er mir nicht sagen, im Weiteren solle man sich in Moskau an den Lost and Found Schalter wenden, die würden mitteilen wann das Gepäckstück käme. Tschüss.
Etwas verdutzt und maßlos verärgert steht Philipp da, das Boarding beginnt in 30 Minuten, die Handgepäckkontrolle und die Passstation ist noch zu absolvieren, also muss sich beeilt werden. Leider leidet darunter die Verabschiedung zwischen unseren Helden. Irgendwie fühlt es sich an wie zwischen Tür und Angel, so hatten wir uns das nicht gedacht. Gefühlsduselei weicht Pragmatismus und so sprintet Philipp durch die Handgepäckkontrolle zu seinem Gate um gerade noch rechtzeitig zum Boarding anzukommen.
Deswegen soll hier nochmal betont sein wie glücklich ich (Philipp) bin, genau mit diesem tollen Menschen auf diese Reise gegangen zu sein. Ich hätte mir ein entspannteres Winke-Winke gewünscht, aber da ich dich in einem Monat wieder sehe ist das verkraftbar. Fühl dich umarmt Schnuggi und bis demnächst!
Ab nun schreibe ich in Ich-Form, denn meine Reise setzt sich alleine fort. Ein komisches Gefühl Demjenigen Adieu zu sagen, neben dessen Füßen man echt lange gepennt hat... Halt! Warte! Das ist ja ein guter Teil des Alleine-Seins!
Was mir unbekannt war, ist das der Flug in dem ich sitze ein Gabelflug über Moskau nach New York ist, sodass der Flieger keine kleine Kaschemme, sondern ein Luxusmodell mit eigenem Bildschirm und Filmen ist! Noch dazu habe ich einen Fensterplatz und den Sitz neben mir frei. Das tröstet etwas über die Fahrradsituation hinweg. Ich schaue aus dem Fenster und sehe einen Flughafenmitarbeiter auf dem Boden des Rollfeldes sitzen, über ihm spendet die Tragfläche Schatten. Witzig!
Der Flug vergeht dank eines leckeren Essens und Bohemian Rhapsody schnell und gegen 16:20 lande ich in Moskau am Flughafen Sheremetyevo. Schnell geht es zum Gepäckband die Sachen abzuholen und dann weiter zum Verlustschalter. Hier hat niemand eine Ahnung, ich darf die nächsten 2,5 Stunden Formulare ausfüllen und diese abstempeln lassen. Danach darf ich mich mit einer Hotline-Nummer und meinem persönlichen Verlustcode auf den Weg Richtung Stadt machen. Zunächst muss jedoch der Weg zum Zugterminal gefunden werden, ein Taxifahrer hilft mir, natürlich nicht ohne das Angebot, mich für 40 € zum Hostel zu bringen... sagenhaft günstig!
Nach einigen Anläufen stehe ich also im Aeroexpress und rase Moskau entgegen. An der Station Novoslobodskaya angekommen, welche zu den Stationen der Ringbahn gehört und eine der schönsten Stationen Moskaus ist, steige ich um und fahre noch zwei Stationen bis zu meiner Station Borovitskaya. Dann geht es wieder an die Oberfläche. Ich trete aus den Türen der Metro und bin überwältigt. Ich wusste, dass mein Hostel nahe des Kremls liegt, nicht jedoch das ich direkt davor stehe und die goldenen Kathedralenzwiebeltürme über dem Fluss sehen kann. Ich drehe mich nach rechts und sehe die Erlöserkathedrale, nur zwei weitere Gehminuten und ich erreiche meine Unterkunft, das Kremlin Lights Hostel.
Die Angestellten sind super nett, ich habe ein schönes Bett in einem 8er-Schlafsaal und mache Bekanntschaft mit einem Bolivianer, der hier in Moskau einen Halbmarathon mitlaufen möchte. Mit ihm geht es noch zum nahegelegenen Supermarkt, um Abendessen zu kaufen, dann lege ich mich hin und plane den morgigen ersten Tag in Moskau. Wenn dann noch mein Fahrrad wieder da ist bin ich vollends glücklich!
Also „Dawai Dawai, Moskau!!“









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