Jad Washem und die Dächer Jerusalems
06.05
Da es gestern sehr spät geworden ist, wird aus unserem Plan, zeitig nach Jad Washem, der bedeutendsten Gedenkstätte die den Holocaust und den Antisemitismus aufarbeitet, aufzubrechen nicht wirklich viel. Dafür kaufen wir während dem fertig machen unseren Jordan Pass, welcher sowohl den Eintritt für Petra und Wadi Rum sichert, als auch das Visa bei Ankunft an der Grenze erlaubt ohne dieses im Vorhinein besorgen zu müssen. Gegen 11:30 Uhr verlassen wir unser Hostel und begeben uns in die Kleine Konditorei „English Cafe“ um uns unser Frühstück To-Go abzuholen. Hier gibt es viele leckere Backwaren im Miniformat, bezahlt wird nach der Waage. Wir sind sehr überzeugt und während wir die Stückchen verschlingen geht es los zur Straßenbahn Linie 1 welche uns ganz entspannt in Richtung der Gedenkstätte bringt.
In der Bahn selbst ist es sehr heruntergekühlt, fast frieren wir etwas, das ändert sich mit dem Verlassen aber wieder schlagartig, als uns die 30 Grad und Sonnenschein wiederhaben. Von der Station sind es noch zehn Minuten zu Fuß und dann stehen wir vor dem in den Hügel gebauten Gebäude. Es ist wunderbar grün hier, genau genommen das erse Mal seit 40 Jahren wieder zu dieser Jahreszeit. Bis zwei Wochen vor unserer Ankunft gab es nämlich noch starken Regen, sodass die Natur noch davon zehrt.
Architektonisch ist das Gebäude einer Schneise nachempfunden, welche sich durch den Hügel schlägt, eine Visualisierung des Einschnitts welcher durch den Holocaust hervorgerufen wurde. Wir betreten das Visitors Center und erfahren, dass der Besuch keinen Eintritt kostet, lediglich der Audioguide kostet eine Gebühr. Dann geht es los in die Ausstellung, welche über sechs Räume verteilt, von der Entstehung des Antisemitismus bis zum Holocaust als schlimmstem Auswuchs, die Geschichte der Judenverfolgungen eindrücklich schildert.
Man merkt sehr stark wie viel Liebe und Arbeit in diesen Ort gesteckt wurde. Die Masse an Exponaten, Videomitschnitten von Zeitzeugenaussagen und Informationen durch den sehr ausführlichen Audioguide überfluten uns. So wurden beispielsweise Originalteile der Hauptstraße des Warschauer Ghettos, samt alter Laternen, Schienen und Pflastersteinen, dazu verwendet, hier eine Replik dieser Straße zu gestalten.
Zuletzt betritt man den Raum der Namen. In dieser runden Kuppelhalle stehen reihenweise Leitz-Ordner mit den Namen der Opfer der Judenverfolgung, zudem sind viele Bilder an der Kuppelwand bis unter die Decke plakatiert worden. Hier wird nochmal deutlich, wie wichtig dieser Ort für die Hinterbliebenen ist.
Als wir wieder das Freie betreten, sind fast drei Stunden vergangen und wir müssen uns eingestehen, wir hätten noch weitere drei Stunden bleiben können, so viele Informationen gibt es hier. In der Natur um das Hauptgebäude sind noch weitere Monumente und Gedenkstätten angelegt, so die Halle der Erinnerung mit der ewig brennenden Flamme und das Monument für die ermordeten Kinder. Wir schlendern zurück durch die Allee der Gerechten unter den Völkern, in der jeder Baum für eine Person gepflanzt wurde, die gegen die Judenverfolgung gearbeitet hatten, so auch Oskar Schindler.
Voll von den Eindrücken sprechen wir zunächst nicht viel und machen uns zurück auf dem Weg Richtung Altstadt. Dort wollen wir etwas essen, was sich wegen des Beginns des Ramadans am heutigen Tag als etwas schwierig gestaltet. Nach etwas Gesuche in den kleinen Gassen der Altstadt werden wir dann aber fündig und essen zum Gefühl zehnten Mal unser Standardgericht: Falaffel und Schawarma!
Im Anschluss trennen sich die Wege, Philipp geht in ein Internetcafe um die Speicherkarten der Kamera zu entleeren und auf die Festplatte zu überspielen, während Simon und Verena noch ein wenig durch die Gassen des islamischen Viertels schlendern. Allerdings werden sie immer öfter von Soldaten aufgehalten und können sich so nur eingeschränkt bewegen. Nach einer Stunde sind wir wieder vereint und warten gemeinsam vor dem Cafe auf Edda und Ronnie, unsere Stuttgarter Freunde von gestern Abend.
Ronnie hat uns einen Wein besorgt und so suchen wir den Aufgang zu den Dächern des jüdischen Viertels Jerusalems welchen wir gestern gefunden haben. Wir suchen uns dämlich, finden den Eingang dann aber schließlich und genießen den Wein mit Blick auf die goldene Kuppel des Felsendoms.
Dann folgt die Verabschiedung, wir bringen die beiden noch zu ihrem Hostel und laufen zurück zu unserem Hostel. Noch ein kurzer Abstecher zum Mahane Yehuda Markt, welcher sich des nachts in hippe kleine Garagenkneipen mit Livemusik und DJ‘s verwandelt.
Hier finden wir auch unser Abendessen, Sabbich Sandwiches! Super lecker und echt günstig für israelische Verhältnisse.
Nun ist es Zeit, in unser Zimmer zurückzukehren, unter anderem muss noch die Wäsche gemacht werden und natürlich wollen wir die neue Game of Thrones Folge sehen. Nachdem wir erneut Glück haben und wir auch die letzte Nacht alleine in unserem 6-er Zimmer verbringen können, packen wir die Taschen und versammeln uns nach angestellter Waschmaschine um Verenas iPad. Das Intro beginnt, wir sind gespannt!






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