Man sieht sich immer zwei Mal im Leben
08.05
Wir erwachen in unserem Zelt, pünktlich zum Sonnenaufgang. Wir haben es ohne die äußere Schicht aufgebaut und so reicht es, sich kurz aufzusetzen und schon sieht man wie der glühende Feuerball sich über die Bergkette schiebt, die uns von Jordanien trennt. Erholt stehen wir auf. Es ist erst halb 7, aber wir müssen die Zeit nutzen bevor es zu warm wird. So geht es erstmal los hinunter auf die Hauptstraße. Eine Joggerin (keine Ahnung wer bei der Hitze joggt) hält neben uns an und sagt auf unsere Frage nach Bademöglichkeiten, dass bald ein Strand kommt. Wir finden diesen zwar, er ist aber nur durch ein Spa Hotel zugänglich. Das passt uns jetzt nicht so, weshalb wir kurzerhand eine kleine Abkürzung über den trockenen Wüstenboden nehmen und uns auf die Straße, die zum Strand führt schleichen. Am Wasser angekommen finden wir eine verlassene Hütte, einige Flaggen unterschiedlicher Länder flattern im Wind. Es ist niemand hier, was ja irgendwie zum Toten Meer passt. Wir prüfen ob die Duschen funktionieren und es sprudelt fröhlich Süßwasser heraus. Glücklich ziehen wir uns um und waten vorsichtig ins Wasser. Das Tote Meer geht jedes Jahr um die 2 Meter zurück und so kann man verkrustete Salzreste überall an den Steinen sehen. Auch der Boden im Wasser ist eigentlich nur eine große Salzschicht. Gerade, als wir es uns im seichten Wasser gemütlich machen und auf dem Rücken liegen kommt ein weißer Jeep die Straße herunter gefahren. Wir ahnen es schon und tatsächlich steigt ein Wachmann in Uniform aus und winkt uns aus dem Wasser. Mist!
Widerwillig krakseln wir an Land. Wir haben es allerdings nicht so eilig und duschen uns erst noch ab. Unser Spaßverderber scheint das zu verstehen, sagt nichts und wartet geduldig unseren Säuberungs- und Anziehprozess ab. Erst als wir mit den Rädern wieder Richtung Hauptstraße unterwegs sind fährt auch er wieder in das Resort zurück. Wir nehmen den gleichen Weg wie vorher und sind schon bald wieder am Weiterfahren gen Süden.
Wir fahren noch bis kurz vor En Bokek, wo ein neuer Radweg direkt am Wasser beginnt. Unter einem extra für pausierende Radfahrer gebauten Sonnensegel sitzen wir die Mittagshitze aus, kochen Spaghetti und spielen ein paar Runden Sheshmek (wieder einen neuen Namen für Backgammon gelernt). Die Stunden verfliegen und bald brechen wir auch schon wieder auf. Kurz vorher bekommt Simon eine Nachricht von Verena. Ihre letzten 2 Tage in Israel wollte sie bei einem Freund in Modi’in verbringen und wie es der Zufall will, möchte dieser heute mit ihr ans Tote Meer nach En Bokek fahren. Na das hört sich doch gut an!
Kurze Zeit später sind wir in der Badestadt angekommen. Hier gibt eigentlich fast nur Hotels und Strand. Wir treffen Verena und Sergey in einem Restaurant und freuen uns über dieses ungeahnt frühe Wiedersehen. Nach einer kleinen Verpflegungspause geht es runter an den See.
Diesmal mit etwas mehr Zeit und Ruhe, dafür aber mit mehr Touristen, erfreuen wir uns an dem verrückten Gefühl im extrem dichten Wasser zu baden. Fast zehnmal so salzig wie der Atlantik ist es hier und man schaukelt merkwürdig schwerelos an der Oberfläche.
Wir freuen uns wie kleine Kinder und planschen vergnügt umher. “Jemand hat mir gesagt, man soll nicht pupsen”: ruft uns ein Amerikaner zu. “Ah, okay nein es funktioniert doch!”: ergänzt er.
Wir duschen uns wieder ordentlich ab und füllen noch unsere Wasserbehälter auf. Die 3 Liter Wasserblasen, die wir nun beide noch hinten drauf haben, sind zwar extra Gewicht, aber einfach unentbehrlich hier in Wüste.
Wir nehmen ein weiteres Mal Abschied, diesmal wahrscheinlich für länger, und radeln wieder los. Sofort fällt uns auf, dass wir noch Essen brauchen. Wir werden nicht so wirklich fündig und erstehen lediglich zwei Sandwichs und eine Packung Hummus. Essen scheint wohl eher zu einem Problem zu werden als Wasser.
Es geht nun die ganze Zeit am südlichen Teil des Toten Meers entlang. Hier sind künstliche Becke angelegt worden und viele Flächen am Ufer werden industriell genutzt. So fahren wir an einigen Fabriken vorbei, während die Sonne langsam hinter die Berge zu unserer Rechten sinkt. Unser liebster Freund, der Westwind, kommt wieder auf und macht uns mit immer stärkeren Böen das Leben und Treten schwer. Als es unerträglich wird bleiben wir erschöpft stehen. Wir sind zwar noch nicht so weit wie wir eigentlich kommen wollten, aber der vor uns liegende Berg überzeugt uns, das Zelt hier aufzuschlagen. Wir gehen links von der Straße herunter. Hier schützt uns der Hügel auf dem diese verläuft vor dem Wind und der Boden ist schön flach. Das Zelt ist wie immer schnell aufgebaut und wir schlüpfen direkt hinein, denn hier wimmelt es von Stechmücken. Wir vertreiben uns noch ein wenig die Zeit mit Essen, labern und Podcasts und schlafen früh ein. Der Wecker steht auf 5 Uhr 45.







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