Moskau, du bist wunderbar!
19.05
Heute wird erstmal richtig in den Tag gelenzt, der gestrige Trip hat mich mehr angestrengt als gedacht und ich erwache gegen 10 Uhr. Direkt geht der Griff an den Hörer, der Flughafen wird angerufen und nach 10 Minute weiß ich, dass mein Fahrrad nun im Delivery Center von Aeroflot in Moskau steht und mir heute Nacht zwischen 21 Uhr und 6 Uhr morgens geliefert werden soll. Zum Glück besitzt das Hostel eine 24 Stunden Rezeption und so kann ich mich heute Abend einfach schlafen legen und hoffen am nächsten Morgen wieder mobil zu sein.
Danach will die Wäsche gemacht werden, doch auch die kann ich einfach gegen eine Gebühr im Hostel waschen und trocknen lassen. Anschließen wird sie mir ans Bett gestellt, was ein Service!
Gegen 12 Uhr mache ich mich, nach einem Telefonat mit der Heimat, auf den Weg Richtung der neuen Innenstadt Moskaus mit ihren Wolkenkratzern. Dort soll ich mich mit Anna treffen die ihren freien Tag damit verbringt mir diesen Teil der Stadt zu zeigen. So steige ich in die Metrostation Borovitskaya hinab, wechsele dort unterirdisch die Linie und fahre mit der komplett neuen blauen Metro bis zur Station Vystavochnaya. Dort angekommen geht es hinaus und ich bekomme direkt einen starren Hals, so sehr muss ich nach oben schauen. Der Eingang/Ausgang der Metro befindet sich direkt unterhalb der Türme.
Nach fünf Minuten ist auch Anna da und wir schlendern los durch die aus dem Boden gestampften Bauten. Alles sehr neu und futuristisch, allerdings fehlt das Leben und die sonstige Infrastruktur, daher wirkt es etwas künstlich. Wir befinden uns zudem direkt an der Moskwa, dem großen Fluss der Stadt, welcher sich an diversen Sehenswürdigkeiten zurück Richtung Moskau Zentrum schlängelt. Mit einem Eis als Stärkung geht es auf Wanderschaft, ich bekomme eine Lehrstunde über die Gebäude der Stadt, unter anderem über das „weisse Haus“ Moskaus in dem die Regierung sitzt, oder über die ältesten Hotels.
Zum Mittagessen geht es in ein traditionelles russisches Restaurant, welches ulkigerweise dem Stile nach aus der alten UDSSR stammen könnte, sich aber in einem Kaufhaus befindet, welches so mit Leuchtreklamen, bunten Lichtern und sonstigem Blinkekrams versehen ist, dass ich angesichts des Kontrastes sehr überfordert bin.
Im Lokal sitzen nur Locals, ein gutes Zeichen, es werden alte Sowjet-Kassiker über die Musikanlage gespielt und zum Essen gibt es Vareniki in süßer und deftiger Form, wobei es sich um gefüllte halbmondförmige Teigtaschen handelt, welche über Dampf gekocht werden. Den mir schon bekannten Pelmeni sehr ähnlich, schmecken sie wunderbar und ich genieße es hier sehr.
Nach dem Bezahlen geht es in den grünen Gürtel Moskaus, vorbei am Luzhniki-Stadion, dem größten Ö in Russland mit der imposanten Statue Lenins davor, dem Nowodewitschi- oder auch Neujungfrauenkloster genannt, welches zu den bekanntesten Klöstern des Staates zählt und dem Universitätsberg, welchen wir anschließend auch erklimmen. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die gesamte Moskauer Innenstadt, während im Rücken die beeindruckende staatliche Universität von Moskau mit ihrem Prachtbau thront.
Hier stehen wir bestimmt eine halbe Stunde zwischen vielen anderen Menschen die dem Trubel der Stadt etwas entfliehen wollen. Schon im Grüngürtel waren viele Leute unterwegs gewesen, sei es auf Longboards, Skates oder mit Fahrrädern. Diese Oase gefällt mir wirklich außerordentlich gut und wir verlassen sie nur, da wir mit einem Ausflugsboot weiter die Moskwa hinauf fahren wollen um die wichtigsten Orte der Stadt vom Wasser aus zu bestauenen.
Unser Kutter entpuppt sich als kleines Partyschiff, es laufen am Stück Remixe von echten Stimmungssongs und wir haben eine schöne Zeit beim mitsingen und mittanzen, währrend wir von den Rentnern an Bord milde belächelt werden. Die Fahrt geht länger als gedacht, schon ist es 19 Uhr, als wir endlich an unserem Ausstieg am Zaryadye-Park angelangen. Dieses schöne Grün wurde extra zur Fifa-WM 2018 gebaut und beinhaltet alle Vegetationen des russischen Staatssbietes als kleine Themenbepflanzungen, sei es die Steppe, die Tundra oder der Wald. Noch dazu gibt es eine halb über die Moskwa führende dreieckige Brücke mit perfektem Blick auf den Kreml und die Basilius-Kathedrale, sowie eine große Tribüne aus Holzbänken vor einem Open Air Space, auf dem im Sommer gratis Veranstaltungen stattfinden. Wirklich sinnvoll diese Platz so genutzt zu haben.
Zum Abendessen geht es in einen Food-Market, in dem ich die beiden letzten wichtigen lokalen Gerichte essen kann. Borschtsch, eine aus roter Bete gefertigte Suppe mit Fleisch- und Gemüseeinlage und Pelmeni mit Fleischfüllung. Beides ist gut, an die Suppe muss ich mich aufgrund ihres speziellen Geschmacks aber erstmal ein wenig gewöhnen. Jedenfalls nichts was ich immer essen könnte!
Hier stößt noch kurz eine Freundin von Anna dazu, dann gehen wir aber alle unserer Wege, denn Anna und ihre Freundin müssen morgen wieder arbeiten und auch ich bin nach 23 Kilometern Rumgelaufe wieder sehr erledigt. Zudem will ich noch herausfinden, wo ich einen Rad- und Campingladen finden kann, da ich noch Gas für den Kocher benötige und mich etwas dünkt, das meinem Drahtesel etwas Zuwendung bezüglich der Gangschaltung gut täte.
Zufrieden mit dem Tag lege ich mich schlafen und hoffe auf ein heiles Fahrrad am nächsten Tag.
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