Seitenabstand und Zebrastreifen

21.05

Endlich geht es wieder aufs Rad! 
Die Nacht war irgendwie trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, unruhig und so brauche ich etwas um in Schwung zu kommen. Gegen 9:30 Uhr bin ich fahrbereit und stürze mich in den Moskauer Verkehr. 
Aus den Städten herauszufahren ist immer so eine Sache, hier und heute stört es mich aber gar nicht, sodass ich trotz der eineinhalb Stunden, die ich benötige um die Stadtgrenzen zu erreichen, weiterhin entspannt vor mich hin fahre. Viele neugiere Blicke folgen mir, Radtourismus ist wohl keine große Sache hier. Die Straßen sind stark befahren, das ändert sich natürlich auch nicht als ich den Highway M11 erreiche, welcher bis nach Sankt Petersburg führt.

Ähnlich wie Mautstationen sind hier Autokontrollpunkte mit Kameraüberwachung, aber die gelten für mich doch wohl nicht oder? 
Keine zwanzig Minuten später werde ich von einem mir hinterhergefahrenen Polizisten aufgefordert die Straße zu verlassen. Mist! Aber er gibt mir den Tipp, dass unweit der Autobahn die „Bundesstraße“ E105 verläuft, welche ebenfalls zu meinem Ziel führt und im Gegensatz zum Highway von mir als Radfahrer legal befahren werden darf! 

Keine zehn Minuten später bin ich auf der E105. In Deutschland wäre das eine ganz normale zweispurige Autobahn, da der Highway vier- bis fünfspurig ist, ist die unterschiedliche Bezeichnung aber zu akzeptieren. Hier sind die Dimensionen eben anders. 

Mit wenig Pausen radle ich weiter, meine Beine sind gut und gegen 14:30 Uhr habe ich schon 100 km geschafft, normalerweise war das unsere durschnittliche Tagesleistung. Wichtig ist jedoch auch, dass ich mir um Verpflegung und Wasser gar keine Gedanken machen muss, den überall gibt es kleine Orte mit Kiosks oder Tankstellen. Die Straße bricht sich wie eine Schneise durch ganz viel Wald, es ist zwar laut durch die Autos und LKW‘s, ansonsten umfängt mich aber eine gewisse Ruhe. Die Häuser in den kleinen Örtchen sind noch allesamt aus Holz gebaut und in verschiedenen bunten Farben gestrichen, viele werden hier als Datschas genutzt und sind ein wenig verfallen, weswegen ich mich ein wenig in eine vergangene Zeit zurückversetzt fühle. 
 
An einer verlassenen Tankstelle mache ich dann meine erste große Rast und nicke kurz weg, da ich heute nur noch 35 km fahren möchte, kann ich mir das aber leisten und es tut sehr gut. Dann setze ich wieder auf und strample mit dem sehr guten Roman „Qualityland“ von Mark-Uwe-Kling auf den Ohren Richtung meines Tagesziels, welches ich gegen 17:30 Uhr auch erreiche. 

Zwei Sachen habe ich heute über den russischen Verkehr gelernt. Erstens wir hier der Seitenabstand beim Überholen etwas entspannter gesehen oder nicht vorgenommen und zweitens ist die Anfahrt an Zebrastreifen deutlich anders als in Deutschland. Während bei uns schon abgebremst würde wenn man ein anderes Fahrzeug nahen sieht, gilt hier eher die Devise: „Ach, das schaff ich schon noch!“. Etwas, dass ich mir für die kommenden Tage merken werde. 

Unweit der Straße baue ich das Zelt auf einem mit Löwenzahn überwucherten Acker auf und versuche nicht von einer Armada von Stechmücken zerstochen zu werden. Plötzlich gibt sich die Sonne nochmal generös und knallt auf das Zelt, weswegen ich im Inneren etwas ins Schwitzen gerate, dann hat sie aber gegen 20 Uhr ein Einsehen und verabschiedet sich hinter den Bäumen. 

Irgendwie wird mir etwas langweilig so ohne Gesellschaft denke ich mir, dann drehe ich mich um und schlafe zu den Klängen der drei Fragezeichen ein. Nach 140 km zurückgelegtem Weg bin ich zufrieden mit mir und hoffe auf weiterhin gute Beine am morgigen Tag! 
















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