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09.05
Unser Tag startet unerwartet um 5:45 Uhr. Zwei Polizisten haben unser Zelt entdeckt, haben angelhalten und kommen auf uns zwei verschlafene Dösköpfe zu. Sie sind super freundlich, erklären uns, dass dies hier Privatgrund sei und wir bitte demnächst losgehen sollten. Außerdem sollten wir aufpassen, denn anscheinend gäbe es hier Bomben. Alles klar, vielen lieben Dank für die aufmunternden Worte.
Da wir nun eh wach sind entscheiden wir loszufahren und uns den anstehenden steilen Anstiegen der heutigen Etappe zu stellen.
Wir radeln erstmal eine Stunde bis zur ersten kleinen Pause, in welcher wir mit mäßigem Erfolg versuchen Philipps Gangschaltung zu verändern. Dann geht es weiter und immer steiler heraus aus der Grube in der wir uns während der Fahrt am Wasser entlang befanden. Von -330 Metern unter Meeresspiegel geht es auf 400 Meter über selbigen. Unseren Beinen gefällt das nicht wirklich und wir müssen aschnittsweise immer wieder anhalten. Trotz der frühen Uhrzeit von 9:00 Uhr drückt die Sonne mächtig aufs Gaspedal und Schatten gibt es nicht wirklich.
Als wir gerade eine kleine Schattenpause einlegen hält unvermittelt ein Wagen am Straßenrand und ein freundlicher Mann mit dem sich Simon den Namen teilt lässt seine Fensterscheibe herunter. Er schenkt uns Twix und Mars und lädt uns ein, in seinem Kibbuz Lotan Rast zu machen und bei ihm zu Gast zu sein, sollte dies auf unserer Route liegen. Wir sind verblüfft aber sehr gerührt über so viel Nettigkeit und als wir sehen, dass Lotan wirklich auf unserer Route liegt freuen wir uns schonmal sehr. Dann rauscht er davon und wir erklimmen weiter den Berg. Der Westwind, welcher uns nun als Gegenwind begegnet, ist zuweilen nervig aber wir erreichen nach einer guten Stunde den Gipfel und jubeln über die hinter uns gelegten Höhenmeter.
Eigentlich bräuchten wir eine Pause, allerdings dürfen wir auf dem angekommenen Plateau nicht anhalten, geschweige denn filmen oder fotografieren, denn zu unserer linken erstreckt sich über einen großen Teil der Landschaft ein Kernforschungszentrum Israels mit gesichertem Zaun und Überwachungskameras. Wenn wir später Israelis davon berichten, wird immer scherzhaft gesagt, es gäbe dies hier nicht, vielmehr sei es eine Fabrik für Stoffe. Also heisst es weiterfahren.
Das Zentrum begleitet uns noch ein Stück, auch als wir an der nächsten Kreuzung nach Jerocham abbiegen. Dann ist es endlich hinter uns. Nun geht es auch wieder bergab und wir suchen nach schattigen Plätzen zum Mittagspause machen. Zum Glück kommt uns ein anderer Radreisender entgegen und gibt uns einen entwmscheidenden Tipp. Nur zwei Kurven weiter soll ein Rastplatz mit schatten und anderen Leuten sein. Also nix wie hin.
Als wir den Platz erreichen sehen wir schon dass hier zusätzlich noch die wunderschönen gefärbten Berge und der verschiedenfarbene Sand sind, weswegen wir überhaupt diesen Weg in die Mitte des Landes gewählt hatten. Genüsslich setzen wir uns in den Schatten und erfreuen uns an der Aussicht. Im Laufe das Nachmittags treffen wir noch mehr sehr hilfsbereite Menschen, so beispielsweise noch einen Shimon, welcher mit seiner Familie am heutigen Nationalfeiertag zum Wandern im Yerocham Krater ist. Mit fettem Jeep und voll ausgestattet mit Kühlboxen und Essen insistieren sie, dass wir mit Ihnen Cola,Bier und Cafe trinken und unser Wasser an ihrem Tank auffüllen. Noch dazu ergeben sich tolle Gespräche. Wir sind im Himmel.
Abwechselnd wandern wir noch auf den kleinen Hügel mit den verschiedenen Gesteinsfarben, schießen Fotos und genießen die tolle Landschaft. Als wäre es nicht genug kommt noch eine weitere Familie und schenkt uns mit der Frage „Do you want meat?“ Steaks und Brot und Salate inklusive kalter Limonade. Wir können all diese Nettigkeiten nur schwerlich annehmen, haben wir doch nichts zurückzugeben und so stammeln wir einfach immer wieder unseren Dank heraus. Dann ist es kalt genug und es soll wieder weitergehen. Gesagt, getan und schon fünf Minuten später ist der nächste Platten da. Nach der üblichen Zwangspause steht nun der Anstieg nach Yerocham auf dem Plan.
Zwischendurch müssen wir schieben und wir schwitzen so viel wie nie, dafür entlohnt uns der Ausblick für unsere Strapazen. Auch das aufmunternde Zujubeln der vorbeifahrenden Autofahrer oder das nett gemeinte Hupen verhilft uns zu neuen Kräften und schon sind wir oben. Ein Panorama welches seinesgleichen sucht ertre kt sich vor und hinter uns. Wir sind immer wieder überrascht, wie viel unterschiedliche und spannende Natur sich in diesem kleinen Land befindet.
Nach Jerocham geht es nun die meiste Zeit flach daher und so dauert es nicht lange und wir erreichen die mit blau-weißen Israelfähnchen geschmückte Hauptstraße des Ortes. Hier finden wir eine kleine Bäckerei und wir versorgen uns mit enig Stückchen für den heutigen Abend und den nächsten Morgen. Unser letztes Ziel für heute ist nur noch ein freier Campingplatz hinter dem Örtchen Sede Boker, also noch ungefähr 35 Kilometer zu fahren. Wir kommen jetzt gut voran, meistens geht es leicht abwärts und früher als erwartet errwichen wir das Kibbuz welches dafür bekannt ist, dass Ben Gurion hier sein Wüstenhäuschen hatte. Wir füllen schnell Wasser auf und fahren weiter.
Die Dämmerung wird zur Dunkelheit und kurz vor dem Ziel reisst Philipps Kette wieder. Also Reparaturkits ausgepackt und frisch ans Werk. Allerdings sind wir mit unserem Ergebnis nicht ganz zufrieden, das neue Kettenglied ist leicht schief. Dies zeigt sich auch nach erneutem Losfahren, denn nur gute 400 Meter weiter ist die Kette erneut zerrissen.
Nun reicht es uns und wir bauen direkt die Ersatzkette ein. Freundlich und moralisch unterstützt werden wir dabei von zwei Jugendlichen, die mit ihrem Auto anhielten und versuchen uns zu helfen, dabei aber noch hilfloser sind als wir.
Mit komplett verdreckten Fingern ging es dann auf die letzten fünf Kilometer. Die Kette hält jnd so rollwn wir wenig später auf dem Campingplatz ein jnd treffen direkt vier nette Israelis welche uns zu Shisha, Tee und Bier sowie zum Shakshuka-Essen einladen. Shakshuka ist ein israelisches Nationalgericht welches im Wesentlichen aus gut gewürzter und etwas scharfer Tomatensauce und darin gestockten Eiern besteht und in einer Pfanne zubereitet wird. Sehr lecker und wie schon dem roten Faden des Tages folgend unglaublich freundlich von den Jungs. Sie sind etwa in unserem Alter und haben alle etwas mit dem Militär zu tun. Einer ist ein Mitglied des Iron Dome Programms, ein anderer ist Feldarzt im Militär.
Sie wohnen kn Aschkelon, dem Ort welcher unter anderem durch die Raketen aus Gaza beschossen wurde und kennen eines der Todesopfer des Angriffs. Wir schlucken und merken wieder in welcher Blase wir in Europa aufgewachsen sind und wie nah hier alles verzahnt ist. Ein völlig anderes Lebensgefühl!
Dennoch liegt keine zu große Schwere in dem Gespräch und so können wir uns auch wieder positiveren und geselligeren Themen zuwenden. Wir wären gerne noch länger mit den Jungs wach geblieben, allerdings zieht uns die Anstrengung des Tages ins Bett. Zudem müssen wir auch morgen wieder früher raus un die heißen Stunden des Tages zu umgehen. Wir verabschieden uns und sind dankbar für all die Erlebnisse und Begegnungen des heutigen Tages und werden in noch lange in bester Erinnerung behalten.









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