Tel Aviv, du hast dich verändert!
16.05
Es ist unser letzter Tag in Jordanien und wir erwachen in einem Backofen. Die letzten Tage waren ja schon sehr warm, aber heute kündigt sich ein besonders heißer Tag an. Beim Frühstuck wechselt Simon erstmal den Platz, um im Schatten zu sitzen, ein eher seltenes Manöver seinerseits. Heute ist unser erster von zwei Tagen, die wir eigentlich komplett mit Reisen verbringen werden. Wir verabschieden uns von unseren tollen Gastgebern im Hakaia Home Hostel und schwingen uns gegen 10 Uhr auf die Räder.
Der Weg zur Grenze ist nicht so weit, aber es sind definitiv die heißesten 10km, die wir bisher zurückgelegt haben. Wir sind froh als wir den ersten Checkpoint erreichen und uns kurz in den Schatten stellen dürfen, während unsere Pässe kontrolliert werden. Ach ja, das macht schon Spaß, so ein Grenzübergang. Auf der jordanischen Seite werden wir mal wieder ignoriert und erst nach 10 Minuten kommt überhaupt jemand zum Schalter, um unsere Pässe abzustempeln. Dann sind wir auch schon auf der Schwelle des übergroßen Grenzzauns, der an dieser Stelle ein kleines geöffnetes Tor aufweist. Autos dürfen hier ja im Moment nicht durch, alle Schranken sind zu und es sieht etwas verlassen aus.
Auf der israelischen Seite werden wir wie erwartet ausführlich an mehreren Stellen über alles mögliche befragt und unsere Räder werden neugierig inspiziert. Wir stellen auch einen neuen Rekord im Pass-Zeigen auf: ganze acht Mal dürfen wir unsere Identität nachweisen. Da ist man schon ein wenig stolz.
Ein deutsch-russisches Pärchen fängt uns am Ausgang des Grenzübergangs ab und befragt uns erstmal 15 Minuten darüber, ob es sich für sie noch lohnt, für zwei Tage nach Jordanien zu fahren oder ob sie es lieber nächstes Mal machen sollen. Wir geben Auskunft so gut wir können und sind froh, dass auch ältere Leute noch genauso verpeilt reisen wie wir.
In Eilat angekommen sind wir umso glücklicher über unsere Entscheidung, so viel Zeit in Aqaba verbracht zu haben. Es ist hier sehr touristisch und die Hotelmeilen mit starkem amerikanischen Einfluss erinnern an ein Vegas am Meer. Wir fahren einmal an der Uferpromenade entlang und schauen das Treiben einigermaßen fasziniert von weitem an, bevor wir in der Nähe der Busstation noch ein Falafel-Sandwich verdrücken.
Es ist 13:20 Uhr als wir in den Bus 390 nach Tel-Aviv einsteigen. Unsere Räder können wir auch diesmal wieder ohne Aufpreis unten in den Gepäckraum stopfen. Bei einer 5-stündigen Fahrt hatten zwar auch viele andere Fahrgäste große Koffer dabei, aber es passt alles rein.
Es folgt eine sehr warme Busfahrt, vorbei an einigen Orten, die wir mit dem Rad passiert hatten, wie zum Beispiel der lange Anstieg, wo wir Simon aus Lotan getroffen hatten.
So schwelgen wir ein wenig in Erinnerungen, schreiben Blog-Posts und buchen uns ein günstiges Hostel für unsere letzte Nacht.
Endlich angekommen fahren wir auf direktem Wege zu einem großen Fahrradladen. Wir hatten online gelesen, dass wir hier sicherlich Fahrradkartons bekämen und so sind wir pünktlich zu Ladenschluss dort und erhalten ohne Probleme die erhofften Boxen. Aus dem Keller hochgetragen und dann stehen wir da, auf der Straße, mit zwei riesigen Kartons, zwei riesigen Rädern und zwei Fragezeichen über unseren Köpfen. Wie bekommen wir das jetzt alles am besten ins Hostel?
Mit unterschiedlichen Techniken, die mehr oder weniger angenehm zu manövrieren sind laden wir die braunen Monster schließlich irgendwie auf die Fahrräder und schieben eine gute halbe Stunde bis zu unserem Hostel. Zum Glück haben wir mittlerweile eine große Gelassenheit gelernt, wenn es um Straßenverkehr mit schwerem Gepäck geht. Hupende oder sich beschwerende Verkehrsteilnehmer werden zwar zur Kenntnis genommen, aber man geht eben einfach seinen Weg und irgendwann ist man da, so einfach kann das sein.
Unser Hostel ist sehr freundlich und wir können die Räder in einem kleinen Hinterhof abstellen, packen unsere Sachen in unserem Zimmer und gehen erstmal mit unserem israelischen Zimmergenossen (der irgendwie auch für das Hostel arbeitet) raus, um uns etwas zu Essen zu holen.
Heute ist jedoch nicht irgendein Donnerstag Abend in Tel Aviv, sondern DER Donnerstag Abend wie wir feststellen. Es ist White Night und die halbe Innenstadt ist für Autos gesperrt und voller Parties und Konzerte. Zusätzlich ist heute Halbfinale des Eurovision Songcontest, der dieses Jahr in Tel Aviv stattfindet! Wir laufen also zum "Eurovision Village" eine riesige Partymeile, die die gesamte Strandpromenade einnimmt. Hier gibt es eintausend Essensstände, Live-Übertragungen der Sendung und Konzerte aller Art. Alle möglichen großen Firmen, die gar nichts mit Musik zu tun haben sind auch hier und haben riesige Promo-Stände, wo man wahrscheinlich irgendwas gewinnen kann.
Es ist voll, also wirklich unglaublich voll! So weit das Auge reicht sieht man wuselnde Menschenmassen. Wir schieben uns halb begeistert, halb verstört hindurch und holen uns ein leckeres, aber überteuertes Abendessen in Form eines Pulled-Pork Sandwiches und dann lassen wir uns auch schon wieder zurück zum Hostel treiben. Wir müssen noch die Räder auseinander bauen und sind leider einfach zu müde, um uns jetzt noch ins Nachtleben zu stürzen.
So befinden wir uns also wenig später in einem schlecht beleuchteten Tel Aviver Hinterhof und packen Drahtesel in große, transportfähige Behälter. Manchmal fragt man sich schon, wie man in diese Situation gekommen ist.
Zähne geputzt, nochmal den Fahrplan des Busses gecheckt, den wir morgen zum Flughafen nehmen wollen und dann liegen wir auch schon im Bett. Wir sind angespannt ob der morgigen Abreise, aber auch irgendwie sehr froh über alles, was wir schon geschafft haben. Mal schauen, ob das morgen alles gut geht!
Es ist unser letzter Tag in Jordanien und wir erwachen in einem Backofen. Die letzten Tage waren ja schon sehr warm, aber heute kündigt sich ein besonders heißer Tag an. Beim Frühstuck wechselt Simon erstmal den Platz, um im Schatten zu sitzen, ein eher seltenes Manöver seinerseits. Heute ist unser erster von zwei Tagen, die wir eigentlich komplett mit Reisen verbringen werden. Wir verabschieden uns von unseren tollen Gastgebern im Hakaia Home Hostel und schwingen uns gegen 10 Uhr auf die Räder.
Der Weg zur Grenze ist nicht so weit, aber es sind definitiv die heißesten 10km, die wir bisher zurückgelegt haben. Wir sind froh als wir den ersten Checkpoint erreichen und uns kurz in den Schatten stellen dürfen, während unsere Pässe kontrolliert werden. Ach ja, das macht schon Spaß, so ein Grenzübergang. Auf der jordanischen Seite werden wir mal wieder ignoriert und erst nach 10 Minuten kommt überhaupt jemand zum Schalter, um unsere Pässe abzustempeln. Dann sind wir auch schon auf der Schwelle des übergroßen Grenzzauns, der an dieser Stelle ein kleines geöffnetes Tor aufweist. Autos dürfen hier ja im Moment nicht durch, alle Schranken sind zu und es sieht etwas verlassen aus.
Auf der israelischen Seite werden wir wie erwartet ausführlich an mehreren Stellen über alles mögliche befragt und unsere Räder werden neugierig inspiziert. Wir stellen auch einen neuen Rekord im Pass-Zeigen auf: ganze acht Mal dürfen wir unsere Identität nachweisen. Da ist man schon ein wenig stolz.
Ein deutsch-russisches Pärchen fängt uns am Ausgang des Grenzübergangs ab und befragt uns erstmal 15 Minuten darüber, ob es sich für sie noch lohnt, für zwei Tage nach Jordanien zu fahren oder ob sie es lieber nächstes Mal machen sollen. Wir geben Auskunft so gut wir können und sind froh, dass auch ältere Leute noch genauso verpeilt reisen wie wir.
In Eilat angekommen sind wir umso glücklicher über unsere Entscheidung, so viel Zeit in Aqaba verbracht zu haben. Es ist hier sehr touristisch und die Hotelmeilen mit starkem amerikanischen Einfluss erinnern an ein Vegas am Meer. Wir fahren einmal an der Uferpromenade entlang und schauen das Treiben einigermaßen fasziniert von weitem an, bevor wir in der Nähe der Busstation noch ein Falafel-Sandwich verdrücken.
Es ist 13:20 Uhr als wir in den Bus 390 nach Tel-Aviv einsteigen. Unsere Räder können wir auch diesmal wieder ohne Aufpreis unten in den Gepäckraum stopfen. Bei einer 5-stündigen Fahrt hatten zwar auch viele andere Fahrgäste große Koffer dabei, aber es passt alles rein.
Es folgt eine sehr warme Busfahrt, vorbei an einigen Orten, die wir mit dem Rad passiert hatten, wie zum Beispiel der lange Anstieg, wo wir Simon aus Lotan getroffen hatten.
So schwelgen wir ein wenig in Erinnerungen, schreiben Blog-Posts und buchen uns ein günstiges Hostel für unsere letzte Nacht.
Endlich angekommen fahren wir auf direktem Wege zu einem großen Fahrradladen. Wir hatten online gelesen, dass wir hier sicherlich Fahrradkartons bekämen und so sind wir pünktlich zu Ladenschluss dort und erhalten ohne Probleme die erhofften Boxen. Aus dem Keller hochgetragen und dann stehen wir da, auf der Straße, mit zwei riesigen Kartons, zwei riesigen Rädern und zwei Fragezeichen über unseren Köpfen. Wie bekommen wir das jetzt alles am besten ins Hostel?
Mit unterschiedlichen Techniken, die mehr oder weniger angenehm zu manövrieren sind laden wir die braunen Monster schließlich irgendwie auf die Fahrräder und schieben eine gute halbe Stunde bis zu unserem Hostel. Zum Glück haben wir mittlerweile eine große Gelassenheit gelernt, wenn es um Straßenverkehr mit schwerem Gepäck geht. Hupende oder sich beschwerende Verkehrsteilnehmer werden zwar zur Kenntnis genommen, aber man geht eben einfach seinen Weg und irgendwann ist man da, so einfach kann das sein.
Unser Hostel ist sehr freundlich und wir können die Räder in einem kleinen Hinterhof abstellen, packen unsere Sachen in unserem Zimmer und gehen erstmal mit unserem israelischen Zimmergenossen (der irgendwie auch für das Hostel arbeitet) raus, um uns etwas zu Essen zu holen.
Heute ist jedoch nicht irgendein Donnerstag Abend in Tel Aviv, sondern DER Donnerstag Abend wie wir feststellen. Es ist White Night und die halbe Innenstadt ist für Autos gesperrt und voller Parties und Konzerte. Zusätzlich ist heute Halbfinale des Eurovision Songcontest, der dieses Jahr in Tel Aviv stattfindet! Wir laufen also zum "Eurovision Village" eine riesige Partymeile, die die gesamte Strandpromenade einnimmt. Hier gibt es eintausend Essensstände, Live-Übertragungen der Sendung und Konzerte aller Art. Alle möglichen großen Firmen, die gar nichts mit Musik zu tun haben sind auch hier und haben riesige Promo-Stände, wo man wahrscheinlich irgendwas gewinnen kann.
Es ist voll, also wirklich unglaublich voll! So weit das Auge reicht sieht man wuselnde Menschenmassen. Wir schieben uns halb begeistert, halb verstört hindurch und holen uns ein leckeres, aber überteuertes Abendessen in Form eines Pulled-Pork Sandwiches und dann lassen wir uns auch schon wieder zurück zum Hostel treiben. Wir müssen noch die Räder auseinander bauen und sind leider einfach zu müde, um uns jetzt noch ins Nachtleben zu stürzen.
So befinden wir uns also wenig später in einem schlecht beleuchteten Tel Aviver Hinterhof und packen Drahtesel in große, transportfähige Behälter. Manchmal fragt man sich schon, wie man in diese Situation gekommen ist.
Zähne geputzt, nochmal den Fahrplan des Busses gecheckt, den wir morgen zum Flughafen nehmen wollen und dann liegen wir auch schon im Bett. Wir sind angespannt ob der morgigen Abreise, aber auch irgendwie sehr froh über alles, was wir schon geschafft haben. Mal schauen, ob das morgen alles gut geht!






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