Wadi Qelt und Ein Gedi
07.05
Aufbruchstimmung macht sich breit. Nach fast eineinhalb Wochen Entspannung und Kultur geht es heute wieder auf die geliebten Drahtesel. Allerdings bedeutet das auch den Abschied von Verena. Wir packen zusammen, verlassen das Hostel pünktlich zum Check-Out und versorgen uns wieder bei unserer kleinen Bäckerei in der Nachbarschaft. Gegessen wird in der angrenzenden Fußgängerzone.Dabei fühlen wir uns etwas von den Passanten beibachtet, allerdings wer kann es ihnen bei unserem Aufzug verdenken.
Dann ist der Moment des „Bis bald“-Sagens gekommen. Noch eine Umarmung und dann fahren wir um die nächste Ecke...
Und bleiben direkt wieder stehen! Philipps Kette ist gerissen und so haben wir gleich den ersten Reparaturstop. Fast 45 Minuten benötigen wir, bis die Kette wieder fahrbereit ist und wir unsere schnutzigen Hände im naheglegenen Streetfoodrestsurant waschen können. Wir fahren wieder auf die Altstadt zu, wollen dann einfach nach Osten aus der Stadt. Als wir den Hügel der Savidsstadt erklimmen sehen wir einen anderen Radler mit Ortlieb-Fahrradtaschen... kann ja nur ein Deutscher sein! Und so ist es auch. Sein Name ist Jonathan, er ist tendenziell in den Mitvierzigern und ist gerade auf der Rückreise nach Stuttgart. Im Gegensatz zu uns ist er ein richtiger Israel-Kenner und so sagt er uns, dass unser geplanter Weg nicht funktionieren wird, da wir irgendwann vor der Mauer zur Westbank stehen werden und wir zwangsläufig einen anderen Weg wählen müssen.
Noch dazu empfiehlt er uns das St. Georgskloster, auch Wadi Qelt genannt, welches auf dem Weg zum toten Meer liegt und ein echtes Highlight sein soll.
Wir verabschieden uns und sind sehr dankbar für seine Tipps. Keine zehn Minuten später stehen wir vor der von Jonathan angekündigten stacheldrahtbewährten Mauer und fühlen uns etwas an unsere eigene innerdeutsche Grenzmauer erinnert. An der Mauer entlang geht es also zum Checkpoint welcher uns Einlass in die West Bank gewähren wird. Ganz schön steil der Anstieg und der danach kommende Abstieg. Wir dürfen den Übergang für Fussgänger mit unseren Vehikeln nicht benutzen und so werden wir auf die Autobahn geleitet welche wir ohne durch einen Checkpoint zu müssen hinunterbrausen. Dann das nächste Highlight. Der Reifen von Philipps Hinterrad ist platt. Also raus das Flickzeug und nach 20 Minuten Arbeit kann es weitergehen. Kurz vor dem Beginn des toten Meeres verlassen wir die Autobahn Richtung St. Georgskloster, fröhlich gestimmt, denn es geht fast nur bergab.
Von der Autobahn weg wird der Weg wirklich malerisch, fast kein Verkehr stört unsere unsere rasante Fahrt abwärts und die Landschaft zeigt sich von ihrer schönsten Wüstenseite mit tollen Dünen und großen Kratern. Wir befinden uns im Westjordanland im Wadi Qelt. Wadi bezeichnet übersetzt ein Flussbett, welches in der Wüste nur nach heftigen Regenfällen Wasser führt. Irrefürend denn dieser Wadi hier führt ganzjährig Wasser und wird von drei Quellen gespeist.
All dies und auch das Georgskloster sind Teil des Nahal Prat Nature Reserve.
Direkt in den Canyon an eine Felswand gebaut kann man das von griechisch-orthodoxen Mönchen geführte Kloster wunderbar von unserer Seite der Schlucht bestaunen, oder auch über einen Fußgängerüberweg besichtigen welcher über den Wadi führt. Ein schöner Ort den wir auf unserer Reise nicht missen wollen. Ein paar hundert Meter weiter gibt es auch den Touristeneingang zum Kloster, allerdings ist dieser von Verkäufern besetzt die Plunder verkaufen wollen, sodass wir schnell weiterfahren.
Kurz vor Jericho erreichen wir wieder eine Bundesstraße, können unseren Proviant an einem Laden auffüllen und fahren direkt gen Süden um endlich das tote Meer zu sehen. Dazu müssen wir wieder auf den Highway, dieser ist jedoch nur mäßig befahren, sodass man wirklich sagen kann dass wir hier sicher reisen können. Dann nach einer weiteren langen Kurve erhaschen wir den ersten Blick auf den großen Salzsee und Jordanien dahinter. Wir radeln ab jetzt erstmal nur südlich direkt am toten Meer entlang und können ein beeindruckendes Naturspektakel zu unserer linken bewundern. Denn das jordaniache Grenzgebirge wird von der untergehenden Sonne fantastisch angeleuchtet, sodass die Berge in verschiedenen Rot- und Gelbtönen erstrahlen!
Eine Stunde geht das so und so sind die Anstrengungen wirklich sehr angenehm auszuhalten. Wir fahren bis in die Dunkelheit hinein, bei immer stärker zunehmendem Westwind. Als wir schließlich einen guten Platz für die Nacht finden und das Zelt aufbauen, wird dieses immer wieder von starken Böen fast weggeweht und eine ordentliche Portion Staub erfüllt das innere unseres Zelts. Hier können wir also nicht bleiben und so packen wir zusammen und fahren weiter. Jetzt ist es eher Arbeit, da der starke Wind an unseren Rädern zerrt und uns immer wieder zur Seite drückt.
Gegen 22 Uhr erreichen wir schließlich den Ein Gedi Nationalpark und wollen schon einen Wildcampingplatz suchen als uns zwei Mädchen aus einem Auto ansprechen das wir hier nicht schlafen könnten, allerdings nur kurz später im Ein Gedi Kibbuz ein Campingplatz vorhanden sei. Also machen wir uns sehr erschöpft auf den Weg und den letzten Hügel zum Kibbuz hinauf. Ein Kibbuz ist übrigens eine ländliche Kollektivsiedling mit Gesamteigentum und eine der für Israel typischen Siedlungsformen.
Ein wenig zähneknirschend bezahlen wir die Übernachtungskosten von 15 Euro pro Person für eine Nacht und bemerken das dies unser erstes bezahltes Camping der Reise ist. Dafür ist der Platz liebevoll eingerichtet, auch kleine Cabins hätte man buchen können und man hat einen tollen Blick auf das tote Meer. Allerdings ist der Zeltplatz betoniert, was bedeutet wir müssen unser Zelt mit Steinen befestigen. Geht aber auch und so essen wir nach dem Aufbau noch gemütlich etwas Brot und unterhalten uns mit einer Deutschen, die nahe unseres Zeltes sitzt.
Dann heisst es Schlafenszeit um die Morgenstunden für das Fahren zu benutzen, ehe es zu heiss wird und wir die Mittagshitze bis abends aussitzen müssen.
Zudem steht morgen ein weiteres Highlight der Israelreise an:
Baden in einem der salzigsten Gewässer der Welt!














Comments
Post a Comment