Tervetuloa Suomeen!
02.06





Heute geht es über die nächste Grenze und hinein in das nächste Land. Finnland erwartet mich und ich will mich eigentlich freuen. Leider spielt das Wetter überhaupt nicht mit. Ich wache mit Regen auf, bereits in der Nacht gegen 3 Uhr morgens war ich geweckt worden als irgendjemand mit einem Motorrad an meknem Zelt vorbei zum Meer fuhr. Ich konnte schwer wieder einschlafen, zu sehr nagte der Gedanke an mir, wer um diese Zeit im Regen und nachts hier am hinterletzten Fleck eine Pause macht. Herausfinden konnte ich nichts und nach 45 Minuten fuhr derjenige auch wieder weg. Definitiv einer der schrägsten Momente der Reise.
Ich warte fertig angezogen im Zelt, wohlwissend, dass alles nass und wegen des Bodens auch versandet sein wird. In einer Regenpause baue ich schnell zusammen, setze mich aufs Rad und will gerade losfahren als sich die Himmelsschleusen wieder öffnen. Dies wird den ganzen Tag anhalten, bis 15 Uhr nachmittags gibt es keine Pause. Meine Stimmung ist auch schonmal besser gewesen.
Einziger Lichtblick ist die trotz des Regens tolle Natur durch die ich fahre. Viele kleine Seen mitten im Wald, durchsetzt von Schilfhalmen, dazu die sich immer wieder zeigenden Steinformationen, die von braungrünem Kraut überwachsen sind, verströmen ein Gefühl der Ruhe und ich werde sehr demütig. All das war schon vor uns hier und wird es auch danach sein, die kleineren und größeren privaten Probleme oder Freuden die unser Leben mitdefinieren und die Wichtigkeit die wir ihnen beimessen ist all dem hier völlig egal. Irgendwie ein schöner Gedanke nicht dee Nabel der Welt zu sein.
Gegen Mittag und nach 50 km erreiche ich mit Wyborg die letzte größere Ortschaft vor Finnland. Ich esse an einer Tankstelle und gehe nochmal einkaufen. Beim Durchfahren bestaune ich die auf einer kleinen Insel gebaute Festung der Stadt, dann geht es so schnell wie möglich durch den Regen weiter. Wieder ist alles nass, die Unterhose, die Socken und die Schuhe, bei der nächsten Pause verweile ich länger um wenigstens ein bisschen zu trocknen. Als ich schließlich an der Grenzstation ankomme kann ich an den Autoschlangen vorbei und erlebe anschließend den für mich dümmsten Grenzübergang aller Zeiten. Immer in Gruppen dürfen die Autos an die Kontrollstation heranfahren, dann müssen alle die Autos abstellen und sich in einer Schlange davor anstellen. Überall sind hier Moskitos, ich bin glücklich, dass ich insgesamt nur ein Mal gestochen werde. Auf der finnischen Seite wird es genauso gehandhabt. Noch dazu muss ich hier meinen Käse, die Salami und den Schinken abgeben, da ich das hier anscheinend nicht einführen darf. Klasse! War ja nur noch verpackt und grade gekauft. Alles weitere verläuft problemlos und als ich weiterfahre, reisst urplötzlich der Himmel auf und ich habe den Rest des Tages Sonne. „Tervetuloa Suomeen!“ sage ich da nur, was „Willkommen in Finnland!“ bedeutet.
Erste Amtshandlung ist es meine alte Sim-Karte wieder einzusetzen, um in den Genuss des EU-Roaming-Abkommens zu kommen. Kurz danach finde ich auch einen Supermarkt wo ich die verlorenen Lebensmittel ersetze, ganz günstig nur für das 2,5-fache des russischen Preises. Dann strample ich entspannt in den Abend, froh darüber jetzt zu trocknen.
Ein Klischee wird auch direkt bestätigt, nämlich jenes, dass die Finnen sehr am Motorsport interessiert sind. Die Menge an Quads, Mopeds und Motorrädern, die ich allein auf den ersten Kilometern zu sehen bekomme reicht völlig aus um dieses Bild zu bestätigen.
Bei einem Feld nahe Ravijoki schlage ich das Zelt auf und lasse jedes einzelne Teil gut austrocknen ehe es aufgebaut wird. Mit der Bitte, mich mit einer weiteren Regennacht zu verschonen, geht es ins Zelt und ich verschließe mich visuell vor der Außenwelt. Noch zwei Tage bis Helsinki, praktisch ein Klacks und dann nur noch 2-3 mal Radfahren zwischen Tallinn und Riga, bis es auch für mich nach Hause geht. Verrückt wie schnell die Zeit vergeht.
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