Wohngemeinschaft mal anders!
04.06










0 Prozent Regenwahrscheinlichkeit haben sie gesagt...
Es hat die halbe Nacht durchgetröpfelt, gegen 8 Uhr bin ich richtig wach und würde gerne los, das Wetter lässt mich aber nicht. Unterdessen wird es nasser und nasser im Zelt, die Vorhersage zeigt immer noch keinen Regen an. Schließlich stehe ich fertig gepackt in meinen Regensachen 45 Minuten neben dem Zelt bis es eindlich eine Pause vom Nass gibt. Schnell wird alles in das Rack gestopft und sich an der nächsten Tankstelle aufgewärmt. Nur 50 Kilometer trennen mich von Helsinki und den dann erreichten 4.700 km.
Meine Laune ist angespannt, als ich gegen 10 Uhr so richtig losfahre. Eigentlich fährt man die noch verbleibende Distanz locker herunter, irgendwie ziehen sich die Kilometer aber ziemlich. Vielleicht liegt das an dem Cocktail aus hügeliger Landschaft, Regen, Gegenwind und miesem Gemüt. Des öfteren brülle ich im nächsten Anstieg meinen Unmut heraus, einmal erschrecke ich dabei auch eine alte Oma am Wegesrand, an dieser Stelle nochmal eine große Entschuldigung!
15 Kilometer vor Helsinki lässt sich endlich die Sonne blicken und ich kann die Regensachen zum trocknen auf den Gepäckträger und das Rack schnallen. Auch mein Tempo wird wieder besser und ich flitze auf den perfekten Radwegen von Osten aus auf die Stadt zu.
Noch zweimal über Brücken, dann bin ich auch schon drinnen, zu meiner linken das Wasser mit vielen kleinen Booten. Ich nehme die Straße am Ufer entlang und sehe schon einiges vom Hafen und die Uspenski- Kathedrale, welche auf einer kleinen Landzunge liegt. Von hier aus stoße ich über Kopfsteinpflasterstraßen in das Stadtzentrum vor. Nach einer Häuserecke stehe ich plötzlich auf dem Senatsplatz, vor mir der in der Sonne glitzernde weiße Dom von Helsinki. Ein toller Anblick, leider aber sehr touristisch.
Meine WG bei der ich unterkommen kann hat noch nicht geantwortet und so suche ich zunächst einen Outdoor-Shop um endlich meinen verlorenen Flugzeugpacksack zu ersetzen. Zum Glück ist Helsinki voll von solchen Läden und zwanzig Minuten später ist auch dieser Pflichtpunkt abgehakt. Zudem hat sich jetzt auch Tuomas, der Kontakt aus der WG gemeldet und ich kann dort vorbeifahren und es mir gemütlich machen, da die anderen Mitbewohner Bescheid wüssten.
Dieser Kontakt kam übrigens über meinen alten Freund Philipp zustande, den ich hier auch übermorgen treffen werde und bei dem ich mich an dieser Stelle bedanken möchte, dass ich kein überteuertes Hoel in der Stadt nehmen muss, da Hostels in Finnland nicht existieren.
Die WG liegt in dem Vorort Espoo von Helsinki und ich benötige nochmal 10 Kilometer um sie zu erreichen. Auf dem Weg ist aber alles herrlich grün, viel Wasser ist zu sehen ind ich habe eine Menge Gesellschaft von anderen Fahrradfahrern. Kurz vor leinem Ziel sehe ich einen Wasserpark in dem gerade eine Gruppe von Leuten eine skurille Sportart betreiben. Es ist eine Mischung aus Lacrosse und Stand-Up-Paddeling, wird in einem Feld mit zwei Toren gespielt und sieht sehr ulkig aus.
An der Adresse angekommen werde ich stutzig. Hier sieht es so aus als würden nur Reiche in diesem Bezirk wohnen, noch dazu stehe ich vor einem großen Haus. Skeptisch klingele ich und mir wird von einem Mädchen in meinem Alter die Tür geöffnet. Es folgt die geilste WG aller Zeiten. Acht Leute leben in diesem sehr künstlerisch eingerichteten Haus. Überall hängen Bilder und Lampions herum, es gibt einen Yakuzi und eine Sauna, einen Partykeller mit Hightech-Ausrüstung und jede Menge Dinge die wahllos überall herumstehen.
Ich.bin.im.Himmel!
Nach und nach lerne ich die Mitbewohner kennen die über die Stunden hinweg eintrudeln, ich kann meine Sachen zum trocknen aufhängen und habe einen eigenen Raum nur für mich. Total abgefahren hier. Dann führt der Supermarkt neben dem Haus auch noch Club Mate! So lange habe ich es nicht trinken können, ein wahrer Genuss. Viel passiert nicht mehr am heutigen Tag, ich mache mich startklar für die morgen anstehende Sightseeingtour und entspanne mich bei einer guten kleinen Runde Politikbashing über die gute alte SPD... Leute im Ernst, kaum ist man mal nicht da, gehts zuhaus direkt rund.
Durch das Koffein in der Mate bleibe ich zu lange wach, habe aber eine schöne Zeit mit den Menschen hier und kann die nächsten Begegnungen kaum abwarten. Gegen 2 Uhr nachts sinke ich in den Schlaf.
Comments
Post a Comment